Am Vormittag kam Frau Dr. Marcovich zu uns ins Zimmer. Jetzt hätte die Meute ihr Opfer und nun werde wohl endlich Ruhe einkehren, bemerkte sie.

Warum wurde mit uns so umgegangen? Warum zwingt man uns? Meine Gedanken waren gelähmt. Ich fand keine Antwort. Warum nur hatten wir zugestimmt? Ich fuhr nach Hause.

Großvater sagte, dass man gegen diese Übermacht keine Chance hätte.

Olivias Therapie würde innerhalb der nächsten zwei Tage beginnen. Ärzte und Behörden hatten erreicht, was sie wollten. Nach deren Formulierung waren wir Eltern schließlich doch noch „vernünftig“ geworden. Für Olivia allerdings würde eine Tortur nicht absehbaren Ausmaßes beginnen.

Wofür hatten wir eigentlich gekämpft? Wie oft vermutete ich mich bereits vor meinem Ziel, Olivia doch noch nach der Neuen Medizin therapieren zu dürfen? Waren die bisherigen Strapazen alle umsonst? Hätten wir gleich zugestimmt, wäre uns allen vieles erspart geblieben.

Was war richtig? Was würde ich tun, wenn mir freie Wahlmöglichkeit gestattet sein würde? Ich würde Olivia laut Dr. Hamer behandeln lassen. Aber warum hatte ich jetzt zugestimmt? Weil wir sonst von unserem Kind getrennt werden sollten und Olivia dann diese Strapazen wohl kaum überleben könnte. Wir wurden erpresst! Es war unfassbar, was von uns verlangt wurde.

Wir hatten zugestimmt. Jetzt würde man sagen: „Endlich sind die Eltern zu Vernunft gekommen!“ Was würde geschehen, wenn Olivia diese Therapie nicht überlebt? Man würde sagen: „Liebe Eltern, Sie sind mit Ihrem Kind leider zu spät gekommen!“

Wir hatten zugestimmt. Olivia kann aber diese Therapie nicht überleben, wir spürten es, und wir wussten es von Ärzten. Wenn man schon unser Kind umbringen wollte, dann aber ohne unsere Zustimmung. Es war ein Fehler, unsere Zustimmung zu erteilen. Wenn sie Olivia unbedingt die Chemo geben wollen, dann müssen sie auch die Verantwortung tragen und sie nicht auf uns abwälzen.

Wir konnten keine Verantwortung für die Chemo übernehmen!

Ich wusste weder ein noch aus. Was sollte ich tun? Meine Gedanken rotierten. Wenn man Olivia tötet, so würde ich mich umbringen, dachte ich im ohnmächtigen Zorn. Ich würde in den Hungerstreik treten. Aber warum eigentlich nicht gleich? Natürlich, das wäre wirkungsvoller! Dann läge es wieder an den Behörden und Ärzten, den nächsten Zug zu setzen. Ich nutzte unseren Vorteil, in den Medien präsent zu sein. Ich wusste, dass dies eine Schlagzeile geben musste. In einem Telefonat teilte ich Erika meine nächsten Schritte mit. Ich hatte eine wirklich tapfere Frau und entschlossene Mutter für unsere Kinder. Zusammen waren wir auch gegen diese Übermacht stark.

Innerhalb von einer Stunde hatte ich einer Tageszeitung und dem „orf“ meinen Entschluss mitgeteilt. „Da Olivia die Chemo gegeben werden soll, trete ich hiermit sofort in den Hungerstreik!“

Eigentlich hatte ich seit dem Rückflug aus Spanien fast nichts gegessen, und die Strapazen der vergangenen zwei Wochen hatten mich bereits deutlich Gewicht verlieren lassen. Meine Hosen flatterten bereits um die Oberschenkel. Ich war wild entschlossen, meinen Plan durchzuführen.

Offener Brief des Vaters von Olivia Pilhar an den Bundespräsidenten
Thomas Klestil:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Meine Familie und ich, vor allem aber unser krebskrankes Kind Olivia wurde von den Behörden offen durch halb Europa gejagt. Der wahre Grund hierfür ist nicht der Entzug des Sorgerechts und nicht unsere angebliche Sorglosigkeit unserer Tochter gegenüber, sondern einzig und allein unser „NEIN“ zur Chemotherapie und unser Wunsch, nach Dr. Hamer Olivias Krankheit zu therapieren.

Uns wird unterstellt, einem Scharlatan aufgesessen zu sein. Die Gesetze werden angeblich geändert, um endlich Dr. Hamers Neue Medizin offiziell verbieten zu können. Das alles, ohne einen einzigen wissenschaftlichen Beweis gegen seine Thesen antreten zu können. Ich habe gestern meine Einwilligung zur chemotherapeutischen Behandlung gegeben.

Den Grund hierfür möchte ich kurz umreißen:

Uns wurde versprochen, wenn wir zurück nach Österreich kämen, würde nichts gegen unseren Willen an unserer Tochter vorgenommen, und sie würde auch nur stationär untersucht werden.

Die Situation in Malaga war fatal, von Ruhe für meine Tochter war nicht zu sprechen. Also willigten wir ein.

In Österreich angekommen, quartierten wir Olivia zu Hause ein. Wir wurden jedoch von Reportern und Kamerateams regelrecht belagert. Am Abend des selben Tages fand eine Besprechung zwischen Frau Dr. Rostovsky, Frau Dr. Marcovich, Herr Dr. Heinz Zimper, Herr Dr. Stangl und mir unter Zeugen statt.

Es wurde vereinbart, Olivia wegen der ständigen Belagerung von Journalisten in das Tullner Kinderspital unter Aufsicht von Dr. Stangl und Frau Dr. Rostovsky zu stellen. Ich willigte widerum ein. Nächsten Tag brachten wir Olivia in die Klinik.

Gestern, 26.7.95 kam es zum Eklat. Als ich in das Spital kam, war Olivia an einer Infusion. Das war eindeutig gegen die Abmachungen. Ich veranlasste sofort deren Entfernung. Unsere beiden Vertrauensärzte Dr. Stangl und Dr. Rostovsky standen meiner Meinung nach wieder unter Druck von schulmedizinischer Seite. Sie verstießen gegen die Regel der Neuen Medizin. Warum, können Sie im öffentlichen Bekennen von Frau Dr. Rostovsky nachlesen, in dem sie die weitere Behandlung von Olivia ablehnte.

Diese Schlagzeilen gingen durch die Medien.

Es wurde uns ein weiteres Angebot unterbreitet. Dr. Rostovsky übernimmt widerum die Behandlung von Olivia unter der Voraussetzung, einen Chirurgen zu bekommen, der diesen Tumor ohne Chemotherapie operiert. Das gelang jedoch nicht. Olivias Tumor an der Niere ist noch nicht ganz fest (induriert). Er hat jedoch schon ein Volumen von 4,6 Liter. In diesem Zustand der Halbflüssigkeit wird nach der Neuen Medizin ein weiteres Wachstum erwartet.

Nach der Neuen Medizin kann der Tumor aber erst im festen Zustand operiert werden. Ein weiteres Wachstum des Tumors birgt jedoch die Gefahr von Organquetschungen jeglicher Art. Eine ständige ärztliche Kontrolle nach den Regeln der Neuen Medizin wäre daher für Olivia unumgänglich. Nur, hierfür gibt es kein Krankenhaus. Wir in Österreich besitzen kein Krankenhaus für humane, menschenwürdige und wirklich effektive Krebstherapie nach der Neuen Medizin.

Das Recht, Olivia auf unser eigenes Risiko mit nach Hause zu nehmen, haben wir nicht, da wir kein Sorgerecht besitzen.

So lange sich Olivia in unseren Händen befand, konnte sie gefahrlos gesunden, obwohl ihr von verschiedenen Seiten oft der baldige Tod prophezeit wurde.

Ich willigte in die Chemotherapie ein, weil keine Alternative von Gesetz aus offen stand. Ich willigte in den baldigen „chemotherapeutischen“ Tod meiner Tochter ein, weil ich sonst keinen Ausweg mehr sah. Für eine nochmalige Flucht sind wir zu müde. Olivia bräuchte ärztliche Kontrolle.

Nun habe ich mich zum letzten Schritt im Kampf um das Leben meiner Tochter Olivia entschlossen. Ich trete hiermit in den Hungerstreik. Wir verweigern jede Art der Chemotherapie und fordern für unsere Tochter eine Therapie entsprechend der Neuen Medizin unter Leitung des Dr. Hamer.

Hochachtungsvoll…

Ich machte mich widerum auf den Weg nach Tulln. Dr. Langer, der ab nun kaum mehr von unserer Seite wich, erklärte, dass er uns voll verstehe und auch, soweit er könne, unterstützen werde. Sollte ich in Hungerstreik treten, so wollte auch er damit beginnen. Von seinem Krebsmittel „Ukrain“ nahm er Abstand, da er erkannte, dass wir nichts von einem Zytostatikum hielten.

Dr. Vanura erklärte via Fernsehen, dass eine Zwangstherapie ohne Beisein der Eltern undurchführbar sei und zum Tod des Kindes führen würde.

Ich erfuhr von einem handschriftlichen Schreiben des Herrn Dr. Heinz Zimper, in dem festgehalten wurde, dass Olivia keiner zwangsweisen Chemotherapie ausgesetzt werden kann. Unterzeichnet von: Dr. Heinz Zimper, Dr. Rostovsky, Dr. Marcovich, Primar Dr. Vanura.

Gespräch mit Dr. Heinz Zimper in einem nahegelegenen Gasthof:

Im Verlaufe des Gespräches erklärte ich Herrn Dr. Heinz Zimper gegenüber, dass eine Chemotherapie ohne Beisein der Eltern die Erfolgschancen derart minimieren würde, dass kaum ein Kind diese überleben könnte. Dessen wären sich die Ärzte bewusst. Würden wir doch noch zu einer Chemotherapie unserer Tochter gezwungen, hatten wir bereits in Erwägung gezogen, das Kind den Ärzten alleine zu überlassen, damit die Ärzte die Undurchführbarkeit einer Zwangsbehandlung ohne die Eltern einsähen. Mit dem vorherigen Interview von Primar Vanura wäre somit eine Entfernung des Kindes von der Mutter mit Mord gleichzusetzen und die ganze Bevölkerung würde davon wissen.

Ich hatte großes Vertrauen gegenüber Dr. Heinz Zimper, denn ich spürte den Menschen im Beamten und dieser Mensch zeigte Mitgefühl und Verständnis. Im Gegensatz zum Vormittag fühlte ich mich jetzt als Sieger. Es schien, als hätte ich erreicht, was ich wollte. Vielleicht aus diesem Grunde gestand ich Dr. Heinz Zimper weiters, dass die vorherigen Überlegungen, Olivia alleine zu lassen, Erika niemals übers Herz bringen könnte.

Dr. Zimper meinte, wenn Dr. Hamer nach Tulln kommen würde und ihm persönlich versichere, dass er das Leben von Olivia retten könnte, würde er uns Olivia in unsere Obsorge zurückgeben. Die einzige Bedingung wäre, dass ich dies nicht der Presse mitteilen dürfe. Ich akzeptierte dies sofort und war überglücklich eine solche Lösung angeboten zu bekommen. Es zeigte mir auch deutlich, wie sehr sich Dr. Heinz Zimper um Olivia sorgte.

Frau Dr. Marcovich und Frau Dr. Rostovsky waren über die derzeitige Entwicklung höchst zufrieden. Beide ließen deutlich erkennen, dass sie die zuvor erteilte Zustimmung zur Chemo nicht aus Überzeugung tätigten und sich jetzt freuten, dass die große, mächtige Schulmedizin gegen den Willen von entschlossenen Eltern, nur mehr kleinbeigeben konnte.

Ich hatte wieder meine Ruhe gefunden und beobachtete gelassen das hektische Treiben der Reporter und Ärzte.

Bezirkshauptmannschaft, Besprechungsergebnis:

Es wurde unser Widerruf zur Einwilligung in die Chemotherapie festgehalten und auch unsere Standpunkte dargelegt. Auch wurden die Stellungnahmen der Ärzte Primar Dr. Vanura, Dr. Rostovsky und Dr. Marcovich erläutert, die alle einhellig eine Zwangstherapierung ablehnten.

 

Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Schreiben an die Bezirkshauptmannschaft:

Zur Frage der Bezirkshauptmannschaft, wie sich eine von Zwangsmaßnahmen begleitende Trennung des Kindes von der Mutter aus psychologischer Sicht auswirken würde, nahm Dr. Neumayer, klinischer und Gesundheitspsychologe, Leiter des Psychologischen Dienstes der Jugendwohlfahrt folgendermaßen Stellung:

„ … Aus psychologischer Sicht können die Chancen nur dann positiv gesehen werden, wenn die Beziehung zwischen Kind und Mutter förderlich genutzt wird. Eine, noch dazu gewaltsame, Trennung wäre aus psychologischer Sicht nicht zu verantworten und geradezu kontraproduktiv anzusehen.“

Trotz dieser eindeutigen Aussage sollte Olivia mit Gewalt ihrer Mutter entrissen werden.

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