Telefonat mit Mag. Rebasso:

Ich erzählte ihm von einem Schreiben meiner Rechtsschutzversicherung, die mir auch in den geplanten Rechtsstreitigkeiten mit den verschiedenen Medien ihren Beistand verwehrte. Magister Rebasso hatte dieses Schreiben ebenfalls erhalten, aber noch nicht studieren können. Ebenso lag bereits das psychiatrische Gutachten des Herrn Prof. Pazl auf seinem Tisch, welches er ebenfalls noch nicht eingesehen hatte. Es soll angeblich einen beträchtlichen Umfang haben.

Telefonat mit Herrn Marian:

Wir vereinbarten ein Treffen in Baden, damit er mir den letzten korrigierten Teil des Tagebuches übergeben könne.


In Wr. Neustadt musste ich tanken. Als ich auf die Autobahn auffuhr, bemerkte ich, dass die Benzinanzeige noch immer auf der Stellung „Reserve“ stand. Ich klopfte auf das Armaturenbrett, aber die Anzeige änderte sich nicht. Hatte mir der Tankwart Luft verrechnet? Bei der Anzeige an der Zapfsäule war mir aufgefallen, dass lediglich 44 Liter getankt worden waren, normalerweise aber um die 70 Liter in den Tank passten. Hatte er mir überhaupt kein Benzin eingefüllt?

In Baden fuhr ich nochmals auf eine Tankstelle und füllte nach. Tatsächlich, es flossen nochmals über 40 Liter rein. Ich vermutete, dass der Tankwart in Wr. Neustadt vergessen hatte, den Zapfhahn zu öffnen und mir den Betrag des vorhergehenden Kunden verrechnet hatte.

Herr Marian erwartete mich auf dieser Tankstelle und übergab mir seine Korrektur. Über seine qualifizierte Hilfe war ich sehr froh. Es zeigte sich, dass ich, abgesehen von vielen Tippfehlern, auch oft fürchterliche Satzstellungen kreiert hatte. Dies nun von einem ausübenden Lehrer korrigieren zu lassen, hob die Lesbarkeit meines Tagebuches erheblich.

Auf dem Rückweg versuchte ich den Sachverhalt an der Tankstelle in Wr. Neustadt zu klären. Der junge Tankwart schloss einen möglichen Defekt an der Zapfsäule nicht aus und versprach mir, mit seinem Chef Rücksprache zu halten.

Telefonat mit Olivia:

Sie rief mich an und wollte wissen, wie es mir ging. Ihr selbst ginge es gut. Helga wäre gerade bei ihr, weil Mama einen Arzttermin hatte. Ich erzählte ihr von dem strahlend schönen Wetter in Maiersdorf und dass alle Bäume vor Rauhreif ganz in Weiß seien. Olivia bat Helga aus dem Fenster nach Bäumen Ausschau zu halten, und erklärte mir dann, dass in Wien die Bäume leider nur schwarz wären und auch die Sonne nicht scheine.

Olivia war gut aufgelegt, das freute mich.

Telefonat mit Herrn Stern, „Schijok täglich“:

Herr Stern erinnerte mich, mit mir schon einmal gesprochen zu haben. Tatsächlich hatten wir zu Beginn der Geschichte, also Ende Mai, den ersten Kontakt auf mein Bestreben hin geknüpft. Damals allerdings wollte man unseren Fall nicht in der Sendung haben. Heute bot er sie mir aber an. Auf meine Frage, wie es zu diesem Gesinnungswandel im „orf“ gekommen sei, meinte Herr Stern dem Sinn nach, dass es ihnen jetzt in den Kram passe und weiters, dass es sonst keinerlei wie auch immer geartete Gründe gäbe.

Nach wie vor wollte ich mir keine Live-Sendung entgehen lassen und sagte ihm zu. Um die „Rahmenbedingungen“ auf beiden Seiten abzustecken, vereinbarten wir für 19:30 Uhr bei uns zu Hause ein Treffen.

Für mich war das plötzliche Angebot des „orf“ verwunderlich. Was sie wohl nun wieder aushecken würden?

Telefonat mit Erika:

Sie hatte um die Mittagszeit einen Termin bei ihrem Frauenarzt, Herrn Dr. Dinger. Diesem gelang es wieder eine Ultraschalluntersuchung an Erika vorzunehmen. Erika war nach ihrer Aussage, der ewigen Diskussion und des ewigen Rechtfertigens müde geworden und ließ es geschehen.

Arme Erika, arme Frauen! Was dürfen die männlichen Ärzte noch alles mit euch anstellen?

Jetzt fragte mich Erika, ob ich wissen wolle, was es nun werden wird, ein Mädchen oder ein Junge? Lange brauchte ich nicht zu überlegen, denn mein momentanes Gefühl sagte mir es, unsere Kinder sagten es bereits von Anfang an und auch in verschiedenen, gemeinsamen Überlegungen mit Erika hatten wir es gemutmaßt.

Leicht ärgerlich über ihr Nachgeben gegenüber dem Frauenarzt, sagte ich: „Was soll es schon werden? Dass es ein Junge wird, wissen wir doch!“ Lachend bestätigte sie es. Erika erzählte auch, dass Dr. Dinger bereits von Frau Dr. Marcovich informiert worden war, dass wir eine Hausgeburt planten.

Ob es gut war, Frau Dr. Marcovich von unserem Vorhaben zu informieren?


Erika hatte ihre liebe Not mit Olivia, welche darauf bestand, nur die von Erika selbstgekochte Griesnockerlsuppe zu essen und die vom Restaurant strikt verweigerte.

Olivias Werte wie Leukozyten, Entzündungswerte usw. waren einstweilen noch in Ordnung. Vergangenen Montag hatte sie wieder die Chemo erhalten (Vincristin und Adriamycin) und eine Ärztin hatte mir erklärt, dass am kommenden Wochenende mit einer Verschlechterung der Werte gerechnet werden müsse. Wahrscheinlich müsste dann Olivia im Spital bleiben und dürfe nicht nach Hause.

Gespräch mit Herrn Stern, „Schijok täglich“ in Maiersdorf:

Er kam zum vereinbarten Termin um 19:30 Uhr. Als er die Stufen zu unserem Stockwerk heraufkeuchte, erkannte ich einen Kettenraucher in ihm. Während des Gespräches langte ich des Öfteren zu meinen Zigaretten, er machte aber keine Anstalten, die seinen hervorzuholen. Schließlich griff er nach den meinen mit der Bemerkung, er habe seine Zigarettenpackung im Auto vergessen, sei aber ein Kettenraucher. Sein Atem ging schwer und sein Husten war tief. Ich hatte wirklich das Gefühl, selbst kaum Luft zu bekommen.

Er selbst war stellvertretender Produktionschef und betreute den medizinischen Bereich.

Vorsichtig tastete er sich im Gespräch vor. Seinen Vorstellungen entsprechend könnte sich die Diskussionsrunde aus bis zu fünf Personen zusammensetzen. Mit dem ehemaligen Gesundheitsstadtrat Herrn Dr. Stacher und mit Frau Dr. Marcovich habe er bereits Verbindung aufgenommen. Es liege an mir, noch weitere Personen vorzuschlagen, bzw. ich könnte auch vorgeschlagene Personen ablehnen. Dr. Hamer wolle er aber auf keinen Fall in der Sendung haben. Die Diskussion solle keine medizinischen Standpunkte erläutern oder versuchen zu klären, was richtig und was falsch sei. Sie solle vielmehr die Situation eines Betroffenen erklären, der das Vertrauen in die orthodoxe Behandlung verloren hatte. Der Sendetermin sei mit 30.1.96 fixiert.

Ich erklärte ihm, dass ich mich als Gast zur Verfügung stellen werde. Ich behielt mir aber vor, zurückzutreten, sollte der Titel der Sendung ähnlich wie „Autismus“ klingen. „Strohhalm“ oder so ähnlich werde er lauten, versicherte Herr Stern. Er wolle mich auf keinen Fall als psychisch gestört verzerren. Zur Garantie versprach er mir, das erarbeitete Konzept der Sendung, Schritt für Schritt per Fax zu schicken. Er liebe perfekt durchgeplante Sendungen und auch bei dieser würden grob die einzelnen Fragen und ungefähren Antworten der Teilnehmer zuvor festgelegt werden. Er habe Verantwortung zu tragen, was und in welcher Qualität etwas dem Publikum präsentiert werde. Man dürfe mit Scharlatanen in der Bevölkerung keine falschen Hoffnungen wecken. Geistheiler und dergleichen wären für ihn persönlich überhaupt ein rotes Tuch. Sehr wohl aber glaube er an Selbstheilungskräfte. Seiner Ansicht nach wäre ich eine meinungsbildende Persönlichkeit.

Er widersprach sich in seinen Aussagen. Zuerst meinte er, seit 18 Jahren die rechte Hand von Herrn Schijok zu sein; als die Sendung mit dem Geistheiler produziert wurde, war er aber noch nicht dabei.

In unserer Geschichte habe sich der „orf“ selbst falsch verhalten. Dieser hätte niemals polemisieren dürfen, da sich dadurch die Fronten verhärtet hätten. Aber auch innerhalb des „orf“ hätte unsere Geschichte zu großen Debatten geführt.

Ich hatte das Gefühl, einem Mann gegenüber zu sitzen, der genau wusste, wie die „Erziehung der Bevölkerung“ weiter verlaufen sollte. Wozu wollten sie mich in dieser Sendung haben? Was war ihr Plan? Eine Propagandamöglichkeit für die Neue Medizin wollten sie mir sicher nicht bieten.

Telefonat mit Erika:

Richter Masizek und Herr Hofrat Marady waren nach der Konferenz wieder zu ihr und Olivia gekommen. Richter Masizek bat Olivia um eine Zeichnung.

Richter Masizek wollte von Olivia eine Zeichnung! Mir fiel sofort ein, dass innerhalb der letzten drei Wochen bereits mehrere Personen von Olivia eine Zeichnung wollten. Zuerst bat Frau Dr. Marcovich bei ihrem letzten Besuch mit dem „report“- Team darum. Sofort war die Reporterin Frau Pavlicky mit der gleichen Bitte nachgezogen. Der Nächste war Herr Puschler. Er schien bereits mit dem Vorsatz, eine von Olivia gemalte Zeichnung zu bekommen, zu uns gekommen zu sein. Vertraulich machte er mich damals darauf aufmerksam, Olivias Zeichnungen aufzuheben, denn sie könnten eines Tages viel wert sein. Wollte sich jetzt Richter Masizek eine Art von Wertpapier verschaffen?

Telefonat mit Mag. Rebasso:

Er berichtete von der Konferenz im AKH. Richter Masizek wolle uns mit Ende der Therapie, konkret am 27.3.96, bis auf die Pflegeverantwortung sämtliches Sorgerecht zurückerstatten. Dann auch wird er die ausständigen Beschlüsse über unsere bisherigen Anträge fassen.

Die Regelung, wann Olivia nach Hause kommen dürfe, obliege ab nun Frau Dr. Slavc und war ab nun somit rein medizinischer Natur. Herr Hofrat Marady werde diesbezüglich jeweils vom AKH verständigt. Die Regelung mit der Passhinterlegung müssten wir beibehalten. Das psychiatrische Gutachten hatte er sich durchgelesen. In den nächsten Tagen werde ich es mit der Post erhalten. Seiner Meinung nach komme aufgrund dieses Gutachtens keine Anklage wegen Kindesmisshandlung zustande. Sicherlich nicht bei Erika, bei mir höchstwahrscheinlich nicht. Sollte ich nicht angeklagt werden, bräuchten wir einstweilen auch kein Gegengutachten erstellen zu lassen.

Ein Gutachten über meine Person eines schulmedizinischen Psychiaters, welcher selbst gerüchteweise im Verdacht stand, exhibitionistische Neigungen zu besitzen! Obendrein musste er aus dem vollständigen Mangel an persönlichen Gesprächen mit uns, an hand des vorliegenden Materials, wie Video und Gerichtsakte, begutachten. Sollte ich mich darüber aufregen? Soll ich mich darüber aufregen, wenn sich ein bemüßigt fühlender Schulmediziner anhand eines Fotos von mir eine „wissenschaftliche“ Abhandlung erstellt? Allein die Tatsache, dass so seitens der Schulmedizin vorgegangen wurde, zeigte, dass sie selbst bereits wie ein psychisch krankes Tier um sich schlug. Sie hat Angst, dass ihr Kartenhaus aus zigtausenden Lügen zusammenbricht.

Laut Mag. Rebasso sind im Gutachten Formulierungen enthalten, ähnlich wie: „Wenn Herr Pilhar von einer Idee überzeugt ist, verfolgt er sie fanatisch und lässt absolut keine Kritik zu.“ Das Wort „fanatisch“ komme überhaupt oft vor im Gutachten. Es wurde aber auch vermerkt, dass ich intelligent sei.

Wenn ich dies von Herrn Mag. Rebasso richtig verstanden habe, so muss ich sagen, dass ich zum Teil richtig eingeschätzt worden war. Kritik vertrage ich aber trotzdem. Ich erlaube mir, anhand meines Gutachtens, der Schulmedizin einen Spiegel vorzusetzen. „Von einer Idee fanatisch überzeugt zu sein aber keine Kritik zu dulden“, könnte man das nicht trefflich von der schulmedizinischen Onkologie behaupten?

Wo sind denn die Beweise, die die Theorie der Metastasenbildung erhärten könnten, um endlich vom Status einer Hypothese wegzukommen? Wo sind denn die Onkologen, die nicht fanatisch an dieser Idee festhalten und Kritik vertragen?

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