Olivia war am Morgen fürchterlich fiebrig und sehr schwach auf den Beinen. Sie hatte die Nacht hindurch viel geschwitzt. Wir polsterten das Auto aus, um ihr die Fahrt so angenehm wie nur möglich zu machen. Auch klagte sie über starke Schmerzen im Bauch.

Untersuchung bei Dr. Hejda, Mödling:

Olivias Untersuchung war ein Desaster. Sie wehrte sich vehement, sich die für das Kontrastmittel erforderliche Spritze verpassen zu lassen. Sie musste von uns gezwungen werden. Sie schrie wie am Spieß. Wie sollte dieses Kind eine Chemotherapie durchstehen? Wie sollten wir mit ihr diese Marter durchstehen?
Nach der Untersuchung sprach ich mit dem dortigen Arzt Dr. Gruber. Ich erklärte ihm unsere komplizierte Situation. Er vertrat die Ansicht, eine Kombination von Chemotherapie und Neuer Medizin wäre das Optimale. Sofort vermutete ich eine Falle. Eine Kombination aus beidem ist widersprüchlich, denn Chemo und Morphium unterbinden eine natürliche Heilung.

Auch er war mit der Aussage des Prof. Jürgenssen über die Chemodosis, ausgehend vom Kind und hochgerechnet zum Erwachsenen, einverstanden. Auch ihm war klar, dass mit dieser Dosis ein Erwachsener sterben müsste, andererseits diese einem Kind aber durchaus verabreicht werden könnte.

Mir erschien solch eine Behauptung so widersinnig. Normalerweise werden Medikamente für Kinder immer schwächer als für Erwachsene dosiert. Mir ist wirklich kein Medikament bekannt, das hochgerechnet einen Erwachsenen töten könnte. Und ausgerechnet beim Zellgift werden derartige Dosen an Kinder verabreicht??

Wir fuhren Heim. Ich erzählte Erika von meinen Befürchtungen, dass Dr. Hejda ein Tumorwachstum bestätigen muss. Wieder einmal war mir vor Angst ganz übel. Olivia bestand auf den versprochenen Videos, so dass wir zusätzlich noch nach Wr. Neustadt fahren mussten, um diese zu holen. Trotz ihrer schlechten Verfassung ging sie sogar noch mit in die Videothek.

Nachdem wir Olivia nach Hause gebracht hatten, fuhr ich sofort, aber allein, wieder zu Dr. Hejda nach Mödling zurück. Ich war angespannt und nahm Notfallstropfen (Bachblüten). Blanker Schock! Wie befürchtet, nur noch schlimmer. Der Tumor war von 8 cm auf 15 cm gewachsen. Mir gelang es, nicht die Fassung zu verlieren. Ich blieb ruhig und ließ Dr. Hejda reden. Ich bat ihn, mir die Tumoraufnahmen zu zeigen. die neuen und die alten. Es schien, als habe er Recht. Ich war bestürzt, konnte aber ruhig diskutieren. Es liegt jetzt also ein Beweis vor, dass Dr. Hamer nicht Recht hat, bemerkte ich und blickte die beiden Ärzte Dr. Gruber und Dr. Hejda offen an. Wohl war ihnen bei meiner Bemerkung nicht. Jetzt haben sie doch endlich die Möglichkeit, Dr. Hamer eins auszuwischen, setzte ich nach. Die beiden Ärzte drückten sich vor einer konkreten Aussage, meinten aber, dass er in diesem Falle anscheinend irre. Ich verlangte die CTs. Sie waren nicht zu bewegen, sie mir vor morgen auszuhändigen. Sie erteilten mir immer wieder Ratschläge, sozusagen von Vater zu Vater.

Ich ging und rief Frau Dr. Rostovsky an. Sie war verwundert und meinte, nun müssten wir doch Chemotherapie machen. Ich fuhr heim. Wie wird es Erika auffassen? Hat Dr. Hamer sich geirrt? Offensichtlich! Sollten wir am Besten gleich wieder zurück in das St. Anna-Kinderspital fahren? Die Hetzjagd wäre vorbei, wir als Sündenböcke, Uneinsichtige, einem Irrtum Verfallene aufgedeckt und für Olivia würde ein Leidensweg beginnen, der kein Ende verspricht. Oder doch? Wie würden jetzt die Ärzte Olivia behandeln?

Olivia ist verloren! Wir sind schuld. Wir haben dieses Schlamassel inszeniert. Die Ärzte haben allen Grund, böse auf uns zu sein! Wie denken jetzt all jene, die mich in meinem Kampf begleitet haben? Frau Ingrid, Geralds Mutter…. Wie jene, die schon immer zweifelten?

Genau genommen wurde Erika von der Idee, zu Dr. Hamer zu gehen, angesteckt. Ich holte ihr ja nur die von ihr so sehnlichst gewünschten Sterne vom Himmel. Ich gehorchte dem Prinzip zwischen Mann und Frau. Und wer war dahinter? Wer infizierte Erika mit dieser Idee? Karin! Immer wieder Karin!

Und wenn ich nach Hause komme, wird Gerald, ihr Mann, bei uns sein. Ich hatte ihn bestellt für den Notfall einer eventuellen Flucht, wenn Dr. Hejda behaupten würde, der Tumor sei um 1 cm gewachsen. Aber der Tumor ist von 8 cm auf 15 cm gewachsen. Er hat sich fast verdoppelt.

Wir bringen Olivia ins St. Anna! Nie! Erika würde dem nie zustimmen! Aber sollte ich zusehen, wie der Tumor Olivia umbringt? Er sie zu Hause oder auf der Flucht umbringt? Ich musste mich mit Erika beraten. Haben wir als Eltern das Recht zu entscheiden? Haben wir ein biblisches Recht? Der reine Wahnsinn! Wieso trifft uns so ein Schicksal, ein so unabwendbares Schicksal?

Erika und Gerald waren vorerst sprachlos. Ich war kaputt. Gerald fing an, Zweifel anzumelden. Wir zweifelten. Waren das CTs von unserem Kind? Eine Ex- Krankenschwester meinte, den Ärzten sei alles zuzutrauen. Wurden mir die Bilder richtig interpretiert? Gerald meinte, für die Schulmedizin stehe viel auf dem Spiel. Vielleicht hat sich Dr. Hamer nur in der Krankheitsphase geirrt? Vielleicht müsste erst der Tumor noch ein Stück bis zum Stillstand wachsen? Vielleicht müsste überhaupt erst der Konflikt gelöst werden?

Wir mussten uns Zwingen, den Kopf nicht zu verlieren. Dr. Hamer und Frau Rostovsky hatten auch noch einen Leberkrebs erkannt, der im St. Anna letztlich bestritten wurde. Egal welche Art von Krebs Olivia hatten und egal in welchem Stadium sich dieser befand, die Frage lautete, welchen Weg sollten wir einschlagen? Und diese Frage war leicht zu beantworten: Auf keinen Fall die Chemotherapie! Wir mussten also weiter überlegen. Ein beratender Arzt war unbedingt erforderlich. Aber es erklärte sich keiner bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Nun, vielleicht würde es gelingen, einen Arzt zu gewinnen, ohne diesen von den Behörden als Verantwortlichen deklarieren zu müssen. Es war klar, dass wir nunmehr in den Untergrund gehen mussten, also brächten wir auch keinen offiziell behandelnden Arzt, sondern lediglich einen, der uns berät. In diesem Sinne versuchten wir weiter vorzugehen.

Gespräch mit Dr. Herz:

Auch er schloss nicht aus, dass sich Dr. Hamer betreffend der Nierenzyste geirrt haben könnte. Dass er aber gleich bei zwei vorhandenen Krebsen falsch diagnostiziert, hielt er für unwahrscheinlich, zumal Olivias Symptome zutreffend waren. Am Telefon wäre aber eine konkrete Aussage nicht zu treffen. Für weitere beratende Auskünfte stand er aber nunmehr doch zur Verfügung.

Ich war überglücklich und habe sogar vor Freude geweint. Gerald, der dem Gespräch beiwohnte, war sehr berührt und betroffen.

Dr. Hamer war leider telefonisch nicht erreichbar.

Liste mit allen Tagebucheinträge, chronologisch sortiert, aufrufen

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