Die Nacht verbrachte Olivia relativ gut. Nur selten hörte ich sie stöhnen.

Nachdem ich mein Frühstück zu mir genommen hatte, überlegte ich, auf dem Balkon eine Zigarette rauchend, dass, seitdem wir in dieses Zimmer übersiedelt waren, ich nicht mehr auf Prof. Dr. Urbanek getroffen war. Oder dachte ich diesen Gedanken, weil eine feinstoffliche Quelle ihn mir eingegeben hatte?

Jedenfalls leitete die morgendliche Visite Prof. Dr. Urbanek. Kaum gedacht, hatte ich bereits das Vergnügen. „Ja, ja. Die Leukozyten sind gesunken. Aber wenn wir es bisher geschafft haben, werden wir es auch noch weiterhin schaffen.“, meinte er zu Olivia und mir.

„Ja, ja. So kann man sich ein naives Alibi verschaffen und weiter Giftdosen einem kindlichen Körper verabreichen“, dachte ich bei mir. Misstrauisch war der Blick des Arztes, misstrauisch war ich ihm und seiner Pseudotherapie gegenüber. Ich kündigte an, bei nächster Gelegenheit mit unserem Vertrauensarzt Dr. Loibner, Einblick in die Krankengeschichte nehmen zu wollen.

Olivia hatte 35,7°C Körpertemperatur und 23,3 kg Körpergewicht. Nach dem Abwiegen musste sie aber auf die kleine Seite.

Ist es normal, dass ein Chemotherapiertes Kind über 4,5 Monate hinweg jede Nacht an künstliche Ernährung angehängt werden muss? Kann man von Heilung sprechen, wenn sie nach dem Raster eines internationalen Protokolls Giftspritzen erhält? Sitzen wir hier nicht einem „internationalen“ Schwindel auf?

Vormittags kam Helga auf Besuch. Sie brachte verschiedene Süßigkeiten mit, welche Olivia aber alle links liegen ließ. Morgens brachte sie keinen Bissen runter. Wie sollte sie auch, wenn sie soeben eine 12-stündige künstliche Ernährung erhalten hatte?

Während Olivia unterrichtet wurde, ging ich mit Helga ins Cafe. Sie erklärte sich optimistisch, dass unser Fall schließlich doch noch einen gewaltigen Umdenkprozess in der Bevölkerung auslösen werde.

Nach Auskunft einer Ärztin sei die Leukozytenanzahl auf 1700 gestiegen.

Nach der Schule brachte Helga Olivia in die Physiotherapie. Dr. Seidl, anscheinend ein Spezialist in der menschlichen Motorik, beobachtete Olivias Fortschritte in ihrer Bewegungsmöglichkeit der Füße und Beine. Olivia musste auf einem flachen Kegel hin- und herwippen und gleichzeitig das Gleichgewicht halten, wurde aber durch die Physiotherapeutin gestützt. Doktor Seidl schien zufrieden zu sein. Sie wurde gelobt, als hätte sie sich speziell für weitere Fortschritte in ihrer Motorik bemüht! Es erschien mir so pervers. Ein Gift zerstört Olivias Nerven und schränkt dadurch ihre Beweglichkeit ein. Setzte man das Gift aus, konnte sich Olivias Körper erholen. Hatte sie sich erholt, fuhr man mit der Giftverabreichung weiter fort.

In meiner Schulzeit hatte ich doch von ähnlichen Experimenten mit Patienten aus jüngster Vergangenheit gehört. In welcher Zeit war das noch? Ach, hätte ich doch im Geschichtsunterricht aufgepasst!

Wegen der ach so wichtigen Physiotherapie und wegen der ach so wichtigen Begutachtung mussten wir, ach, leider eine Stunde auf den nächsten Zug warten. Zwei Wochen ohne Chemo, in denen Olivia mit ihren Geschwistern im Garten hätte herumtoben können, hätte den beiden „Therapeuten“ die Berechtigung ihrer Arbeit genommen!

Zu Hause angekommen, aßen wir zu Mittag. Mittlerweile hatte auch Olivia Appetit bekommen und leerte ihren Suppenteller. Danach ging sie mit ihren Geschwistern spielen. Nina, die Tochter von Sepp und Maria, war auf Besuch. Alexander vertrieb sich die Zeit mit einem Spiel am Kinderlaptop, die Mädchen schminkten sich a la Cats. Erika litt an einer leichten Grippe und war ziemlich schlapp. Ich schrieb an meinem Tagebuch weiter. Morgen sollte ich es vereinbarungsgemäß an Geerd zum Verlegen schicken.

Telefonat mit Dr. Hamer:

Er erklärte mir, dass er nun bald seine Approbation zurückerhalten werde. Der Grund war simpel. In Deutschland besagt das Gesetz, dass ein Approbationsentzug maximal für 10 Jahre andauern darf, und diese 10 Jahre waren nun fast zur Gänze um.

Mittlerweile hatte er auch einige Akten über die deutsche Staatsanwaltschaft erhalten. Daraus wären recht interessante Schlussfolgerungen zu ziehen, meinte er. So sei z.B. daraus ersichtlich, dass bereits vor unserem Fall beschlossen worden war, bei einer positiven Überprüfung der Neuen Medizin das Ergebnis doch noch geheim zu halten, damit die Bevölkerung nicht verunsichert werde.

Gegen 18:00 Uhr brachte ich Olivia nach Winzendorf zum Zug. Veronika holte sie ab und fuhr mit ihr ins AKH. Ich fuhr weiter zu einem Treffen mit Ingrid und einer Freundin, welche vor ca. 6 Monaten mit ihrer Familie nach Peru ausgewandert war und nun mit ihren beiden Söhnen auf einen längeren Besuch wieder zurück bei ihren Eltern war.

Fernweh ergriff mich, als ich die schönen Landschaftsfotos durchschaute. Sehnsucht, diesem Horror in Österreich zu entfliehen, war kurz dominant, – aber nur kurz. Mein Platz war hier und im Jetzt, das war mir bewusst! Irgendwie werden wir alles durchstehen, so leicht wollte ich nicht aufgeben, konnte es auch durch die Umstände gar nicht.

Später ging ich mit Ingrid noch essen. Auf dem Weg ins Restaurant erhielt ich einen erschütternden Anruf. Herr Berger, den ich bei der Demonstration am Stefansplatz kennen lernte und vor zwei Wochen im AKH wieder traf, klagte mir sein Leid.

Er war „Hamer-Patient“. Als ich ihn das erste Mal traf, hatte er ein ausgeglichenes Leben geführt. Mittlerweile war ihm seine Lebensgefährtin abhanden gekommen, und sein Firmenkompagnon hatte ihn im Stich gelassen. Sein alter Konflikt war wieder ausgebrochen. Obendrein quälte er sich seit Monaten mit einer Verkühlung herum, welche er einfach nicht los bekam. Deshalb war er ins AKH gegangen, damit man ihn mit Antibiotika behandeln sollte. Sein Krebs war wieder aktiv geworden. Er ließ ein Schädel-CT erstellen, welches man ihm nicht zeitgerecht aushändigen wollte. Er hatte aus seiner Überzeugung über die Richtigkeit der Neuen Medizin im AKH keinen Hehl gemacht. Er wusste genau, warum sein Krebs wieder aktiv geworden war. Jetzt aber hatte man ihn in ein anderes Krankenhaus überstellt, in eine psychiatrische Abteilung. Ich war schockiert. So ging man mit Hamer-Patienten um! An seiner undeutlichen Aussprache erkannte ich, dass er bereits eine Veränderung durchgemacht haben musste. Vor 14 Tagen konnte er noch normal sprechen. Es war für mich schwer abschätzbar, was wirklich vor sich gegangen war. Ich versicherte ihm, mich jederzeit anrufen zu können.

In welchem System leben wir?

Schreiben von Frau Connery:

Vor zwei Jahren ersuchte ich um ein CT des Kopfes (Dr. Hejda, Mödling), ohne Kontrastmittel, und es wurde mir – ohne Gegenfrage zu stellen – ein Termin vorgeschlagen. Ich hatte allerdings eine ärztliche Überweisung.

Dieses Mal spielte sich die Terminbestellung in etwa so ab:
Ich ersuche um einen Termin für ein CT des Kopfes.
„Ja, bitte sehr, um welche Beschwerden handelt es sich?“ „Schwindel, Übelkeit, Migräne; was kostet ein CT privat?“
„Warum wollen Sie es privat machen lassen, es zahlt ja die Krankenkasse?“
„Ich habe vor zwei Jahren eines erstellen lassen, und es war nichts zu sehen. Ich glaube, dass es mir die Kasse nicht noch einmal bewilligen wird.“
„Dann sollten Sie eine Magnetresonanz erstellen lassen, es wäre der Gehörnerv sichtbar, und hätte diese …“ (Aufzählung von verschiedenen Vorteilen)
„Nein, ich möchte doch lieber beim CT bleiben – und zwar ohne Kontrastmittel bitte!“ „Aha, von daher weht der Wind, Sie glauben also nicht an die RICHTIGE Schulmedizin!?“ (Ihre Stimme klang erschreckend gehässig) „Wer ist Ihr Arzt?“

Es erfolgte anschließend eine Reservierung.

Für mich ist dieser Vorfall erschütternd. Denn es zeigt mir, dass der Fall OLIVIA seine Wirkung hinterlassen hat. Die Schulmedizin hat anscheinend reagiert. Vielleicht wurden alle Röntgenologen und besonders jene, die sich dadurch auffällig gemacht haben, dass sie vermehrt CT ohne ärztliche Verschreibung sowie ohne Kontrastmittel erstellen, mittels Rundschreiben unter Druck gesetzt. Unter Umständen wurden ihnen scharfe Damen als Rezeptionisten in die Ordination gesetzt … als Kontrolle sozusagen.

Somit wird zweierlei erreicht: Zum ersten werden Hamer-Patienten von vornherein abgeschreckt und zum zweiten wird in Hinkunft dadurch erreicht, dass die für eine Diagnose nach der Neuen Medizin so wichtigen drei Ebenen (Psyche, Gehirn, Organ) unterbunden werden.
Somit wäre es für die Zukunft fast unmöglich gemacht oder zumindest sehr erschwert, nach Hamers Neuer Medizin exakt zu arbeiten.

Ich hatte jedenfalls kein gutes Gefühl mehr, diesen Termin einzuhalten. Mir ist die Technik in dieser Röhre zu wenig bekannt und so wollte ich mich nicht einem rein zufälligen längeren Braten meines Gehirns aussetzen. Außerdem widert es mich an, mich mit dieser scharfen Dame in eine Diskussion einzulassen, denn es ist eine ungeheure Frechheit, mir über das Telefon eine Wertung à la gehässige MEDIENKAMPAGNE abzugeben.

Soweit das Schreiben dieser Patientin. Soweit das Vorgehen der Schulmedizin. Bilden Sie sich selbst eine Meinung!

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