Arbeitsamt:

Wegen Terminversäumnis (30.10.95) musste ich mich neu anmelden.

Wahrheitsgemäß gestand ich, diesen Termin schlicht und einfach vergessen zu haben. Dass wir uns derzeit in einer psychisch sehr belastenden Situation befänden, zählte für die Sachbearbeiterin nicht. Für diesen versäumten Zeitraum erhielt ich kein Geld. Wichtiger war für mich allerdings nur die Fortsetzung der Krankenversicherung. Diesen Schutz hatte man aber noch 3 Wochen im nachhinein, so dass ich mich wegen dieser paar tausend Schilling vor dieser arroganten Beamtin nicht degradieren und um Nachsicht betteln wollte.
Sie teilte mir sogleich zwei Vorstellungsgespräche bei Firmen in Wien zu. Eine davon war als Arbeitsvorbereitung, die andere als Konstrukteur und Softwareprogrammierer ausgeschrieben. Die erstere wäre mir ein Gräuel, die zweite Stelle würde ich unter normalen Voraussetzungen versuchen. Nur wie sollte ich jetzt einen Job annehmen? Erika müsste dann ständig im AKH bleiben und was passiert mit unseren anderen beiden Kindern? Macht sich diesbezüglich irgendjemand Kopfzerbrechen?

Zu Hause schreibe ich am Tagebuch weiter. Irgendwie geht es mir so zäh von der Hand. Ich sollte eigentlich Tag und Nacht daran arbeiten. Wer weiß, wie viel Zeit mir noch dazu verbleibt!

Telefonat mit Dr. Martin Zimper:

Zum x-ten Mal versuchte er mich zu erreichen. Ich hob ab, um endlich klare Fronten zu schaffen. Ich erklärte ihm, dass unser derzeitiger Rücktritt kein Misstrauensantrag gegen ihn persönlich sei. Ich hatte von dritter Seite gehört, dass er selbst ein sehr umgänglicher Mensch sei, und auch ich persönlich habe den Eindruck, dass er lautere Absichten habe. Verwerflich sei allerdings die Presseaussendung der „ARENA-Film GesmbH“.

Hier sei genau das passiert, wovor wir am meisten Angst gehabt hatten. Diese herabsetzende Formulierung in dieser Werbeaussendung sei für uns ein klarer Vertragsbruch, und deshalb beauftragten wir unseren Rechtsanwalt, ein Schreiben aufzusetzen, in dem erklärt wird, dass wir somit zurücktreten, aber noch die Möglichkeit einer Neuverhandlung offen lassen. Mit eventuellen Neuverhandlungen möchten wir solche Untergriffe, wie sie hier geschehen waren, vermeiden.

Für Dr. Martin Zimper war diese Presseaussendung kein Vertragsbruch, und er berief sich auf den bestehenden Vertrag und beabsichtigte am kommenden Montag mit den Interviews anzufangen. Sollten wir nicht einwilligen, würde dies vor Gericht enden.

Davon war ich nicht sonderlich beeindruckt und erklärte, meine Standpunkte dargelegt zu haben. Weiters vermutete ich, dass ein Prozess mit der Familie Pilhar nicht gerade eine positive Werbung für den Film darstellen werde. Hierbei gab mir Dr. Martin Zimper recht und meinte, dies auch vermeiden zu wollen. Er bat um ein persönliches Gespräch.

Es dauerte nicht lange, so erhielt ich von Herrn Malmedie, „ARENAFilm GesmbH“, ein Fax, in dem er feststellt, glücklich zu sein, dass in Form eines Gespräches zwischen Dr. Martin Zimper und mir alle Verstimmungen weitgehend ausgeräumt wurden und sich darauf freue, zu Beginn nächster Woche mit den Filmvorbereitungen beginnen zu können.

Ich sagte zu mir selbst: „Liebe Familie Pilhar! Sollte es Ihrer sehr geschätzten Aufmerksamkeit entgangen sein, so möchten wir Sie darauf hinweisen, dass sie schon seit geraumer Zeit von so ziemlich allen vergewaltigt werden.“


„krone“ kündigt ihren Sammelbandordner mit Olivia auf dem Einband an. Schönen Gruß an alle „kronen“-Zeitung-Leser, hierin werden sie die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit finden. Es wird zwar die „kronen“-Zeitungs-Wahrheit sein, aber Sie sind selbst schuld, wenn Sie diese mit Ihrem Geld auch noch finanzieren.

Telefonat mit Herrn Mag. Rebasso:

Für kommenden Donnerstag hatte er sich einen Termin mit dem Staatsanwalt vereinbart, möchte dort allerdings alleine erscheinen, um die rechtlichen Dinge besprechen zu können. Außerdem wird am Beginn der Woche wahrscheinlich eine Vorladung vom Richter Zak eintrudeln. Die Vorladung wird ziemlich sicher Erika und mich betreffen, Erika sollte aber entschuldigt werden. Vermutlich wird er uns zu einem Termin beim Psychiater überreden wollen, dies war aber nicht sicher.
Wegen des Filmes werden wir am kommenden Sonntag, 9:00 Uhr, nochmals ein Brainstorming halten, und dann wird er das Ergebnis an den Rechtsanwalt des Herrn Dr. Martin Zimper weiterfaxen.

Herrn Hofrat Marady sollten wir über die Entstehungsgeschichte des Filmvertrages in Kenntnis setzen und erklären, warum wir nun zurücktreten möchten.

Rechtsanwaltskanzlei Wegrostek könnte ich vergessen. Die waren wirklich zu ungeschickt, die voreilig abgeschickte Klage noch rechtzeitig zurückzuziehen.


Hannes, Erikas Cousin, brachte Erika nach Maiersdorf. Meine Schwester Michaela blieb über Nacht bei Olivia.

Am späten Nachmittag war ich bei Frau Connery. Sie wollte unbedingt mit mir sprechen, da sie sich um uns und um die ganze Angelegenheit der Neuen Medizin große Sorgen machte. Als Freundin versuchte sie mir zu raten.

In letzter Zeit häuften sich die Ratschläge von Freunden, die meinten, ich solle klein beigeben und mich fügen. Aber worin sollte ich mich fügen? Haben wir uns nicht bereits fügen müssen? Bevor ich aber sage, dass die Chemo doch vielleicht etwas Positives bewirkt haben könnte (das sie aber nicht imstande ist), beiße ich mir die Zunge ab. Denn, was hat sie bei Olivia bewirkt? Sie hat den natürlichen Heilungsprozess der Leber zunichte gemacht. Dass sie den „riesigen Wilmstumor“ von 6 Litern auf weniger als 1 /10 Volumen verkleinert, die dadurch entstandenen Metastasen wieder zum Verschwinden gebracht hätte, ist ein „Onkologen- Märchen“! Die Überlegung, mit brutalen Giftdosen einen heilungsbedürftigen Patienten zusätzlich zu belasten, ist bereits im Ansatz falsch.

Es wäre Verrat an uns selbst, an Olivia, an allen, die auf die Neue Medizin hoffen und an allen, die an der Chemo verstarben oder durch sie noch immer leiden.

Dann hätten wir gleich, von Anfang an „Ja!“ zur Chemo sagen können. Mir ist bewusst, dass man das von uns auch jetzt noch am liebsten hören würde, denn sollte Olivia diese Therapie nicht überleben, stehen die Schulmediziner in einem bösen Licht. Nur glaube ich kaum, dass wir selbst durch ein jetziges „Ja!“ zur Chemo irgendetwas gewinnen würden. Nein, die Fronten sind klar und die Angelegenheit muss ausgetragen werden. Mit allen Konsequenzen.

Besuch mit Erika bei Familie D.:

Wir versuchten die Ereignisse rund um Spanien zu rekonstruieren. Bei mehreren Bieren wurde es wieder einmal sehr spät.

Erikas Tagebuchnotizen:

Starke Bauchschmerzen und kein Appetit. Ihre Nahrungsaufnahme war: 1/2 Tee, ein kleiner Apfel. Helmuts Schwester Michaela blieb für kommende Nacht bei Olivia.

Liste mit allen Tagebucheinträge, chronologisch sortiert, aufrufen

Olivas tagebuch als PDF-Datei

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