Eltern und Kind heimlich aus Hotel geflüchtet

  • Wunderheiler fädelte neuerliche Flucht ein
  • Totale Verwirrung um echte und falsche Diagnosen
  • Heute Rettungsversuch

Wer gehofft hat, das Versteckspiel um Olivia sei endlich zu Ende, hat geirrt: In der Nacht zum Sonntag flüchteten die Eltern mit dem krebskranken Mädchen heimlich aus dem Hotel im spanischen Malaga. Natürlich in Begleitung ihres Wunderheilers Hamer, der mit einer Inflation an echten und falschen Gutachten heillose Verwirrung stiftet. Durchaus bewusst …

Sonntag morgen. Von der sechsjährigen Olivia und ihren Eltern fehlt jede Spur. Die Zimmer im Hotel „Las Vegas“ sind leer, lediglich ein Sack mit Spielsachen und Legosteinen zeugt davon, daß die Sechsjährige einmal hier war. „Und offene Rechnungen über umgerechnet 10.000 Schilling sowie der Reisepaß der Mutter„, erzählt die besorgte Hoteldirektorin.

Auch Wunderheiler Hamer hat sich aus dem Staub gemacht. Was kaum überrascht. Er, der hier im südspanischen Malaga „ordiniert„, dürfte die neuerliche Flucht eingefädelt haben.

Einziges Lebenszeichen der Familie: Mittags kreuzt Hamers Dolmetscherin auf, früher selbst Patientin eines spanischen Wunderdoktors und heute ergebene Jüngerin. Sie begleicht den Betrag und holt die Sachen ab.

Die Antwort kennt nur der Konsul

Über den Aufenthaltsort der todkranken Olivia gibt es nur Spekulationen. Wahrscheinlich wurde sie in einem Haus auf dem Land versteckt, das Vertraute des Ex-Mediziners zur Verfügung gestellt haben.

Darf einer schriftlichen Mitteilung des Wunderheilers Glauben geschenkt werden, so wurde Österreichs Konsul Walter Esten, der in Spanien das Sorgerecht für Olivia wahrnimmt, informiert. Wobei die Rolle des Diplomaten Rätsel aufgibt.

Er war am Sonntag nicht bereit, Auskünfte zu erteilen. Feststeht, daß er das Sorgerecht wieder an die Mutter gegeben hat. Und daß eine Sekretärin des Diplomaten – wie exklusiv berichtet – selbst Patientin des Heilers ist. Kinderärztin Marcovich zur „Krone“: „Das hat er mir erzählt.

Marcovich und Prof. Helmut Gadner, Chef des St.-Anna-Kinderspitals, starten heute, Montag, mit einem Jet der Ärzteflugambulanz neuerlich nach Malaga. Um mit Erika und Helmut Pilhar zu verhandeln und Olivia nach Österreich heimzufliegen. Dazu müßte die Kleine aber, wie im „Olivia-Pakt“ vereinbart, in die Klinik gebracht werden. Was, nach der neuerlichen Flucht, fraglich ist. Hamers Dolmetscherin allerdings hält ein Einlenken der Eltern „nicht für unmöglich„.

Ein Hoffnungsschimmer?

Marcovich denkt nicht daran aufzugeben: „Es muß uns gelingen, die Eltern von Hamer zu trennen. Olivias einzige Chance ist, in gewohnter Umgebung wieder zu Kräften zu kommen.

„Hamer ist paranoid und machthungrig“

Am „Wunderheiler“ läßt sie kein gutes Haar. „Er ist paranoid, verbittert und penetrant. Ein gefährlicher Machtmensch„, erklärt Marcovich. Hamers Hauptaktivitäten zielen derzeit darauf ab, mit einer Inflation an echten, falschen und gefälschten Diagnosen unterschiedlichster, teils dubioser Quellen totale Verwirrung zu stiften. Und – aus seiner Sicht – „verräterische“ Medien mit Gegendarstellungen einzudecken.

Wahr ist: Olivia leidet an Nierenkrebs in fortgeschrittenem Stadium. Die Heilungschancen sind intakt, soferne sie möglichst rasch mit einer Chemotherapie behandelt wird, der Grundlage für eine spätere Operation. Genau dagegen wehren sich die von Hamers absurden Theorien verblendeten Eltern aber nach wie vor.

Was sie Sonntag abend in einem neuerlichen Schreiben an den Bundespräsidenten bekräftigten. In dem Fax bitten sie Klestil, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, „daß Kinder entsprechend der Neuen Medizin therapiert werden dürfen …

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