Das Opfer des „Wunderheilers“ auf dem Weg in das Kinderkrankenhaus. Erstmals räumte Geerd Hamer offiziell ein, daß das Mächen todkrank ist und operiert werden müßte. Tatsächlich ist das sechsjährige Mäderl zittrig, fahrig und wird immer wieder Weinkrämpfen geschüttelt.

Olivias Leben hängt weiter an einem seidenen Faden



Pakt mit dem“ Wunderheiler“ – Operation erst im September?



„Krone“-Reporter erleben das Tauziehen um das Mädchen



Das Tauziehen um Olivias Leben ist noch nicht beendet – aber zwischen den Eltern, dem „Wunderheiler“ und den österreichischen Ärzten ist das Eis zumindest ein wenig geschmolzen. Im südspanischen Malaga, wohin die Familie Pilhar geflüchtet ist, wurde Freitag vormittag ein Pakt geschlossen, der das todkranke Mädchen vielleicht retten könnte. Vielleicht. Denn immer noch schenken die Mutter und der Vater ihrem „Heiler“ mehr Vertrauen als den hochspezialisierten Kinderärzten. Und wollen eine Behandlung frühestens in vier bis sechs Wochen zulassen.



Roland Kopt und Andi Schiel, das Reporterteam der „Krone“ in Malaga, erleben das unglaubliche Tauziehen um die kleine Olivia mit. Hier ihr Bericht über die dramatischen Ereignisse der vergangenen Stunden.


Nach einem Gespräch mit Bundespräsident Klestil signalisieren Erika und Helmut Pilhar erstmals Bereitschaft, mit den österreichischen Ärzten Gespräche aufzunehmen. Wie berichtet, wurden Dr. Marina Marcovich und Dr. Volker Witt mit einem Jet der Ärzteflugambulanz nach Malaga geflogen.

Freitag früh. Das Jugendwohlfahrtsamt Wiener Neustadt dem bereits vor zwei Monaten das Sorgerecht für die sechsjährige Olivia übertragen worden ist, setzt den österreichischen Konsul Walter Esten als verlängerten Arm in Malaga ein. Ein spanisches Gericht muß darüber entscheiden, ob der Diplomat befugt ist, das Sorgerecht wahrzunehmen. Das Urteil fällt positiv aus. Für die kommenden Stunden liegt Olivias Schicksal also in den Händen des Konsuls.


Wenig später wird die kleine Olivia in das Spital gebracht und von spanischen Ärzten untersucht. „Das Kind sieht mitleiderregend aus„, berichtet „Krone“-Reporter Roland Kopt, „der Bauch ist aufgebläht, es kann sich kaum auf den dünnen Beinchen halten. Es steht offenbar unter enormem psychischen Druck, ist zittrig, fahrig und wird immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt.“ Die Diagnose der spanischen Ärzte läßt keinen Zweifel offen, ist mit jener aus Wien ident.


Das Mädchen ist todkrank, leidet an Krebs in fortgeschrittenem Stadium. Es hat Wucherungen an der Niere, der Tumor ist über das Organ hinausgewachsen und hat bereits die Leber angegriffen. Olivias einzige Überlebenschance wäre eine sofortige Chemotherapie, um das bösartige Geschwür zu verkleinern und operativ entfernen zu können.


Freitag mittag. „Wunderheiler“ Hamer, der im Hotel „Las Vegas“ in Malaga nicht von der Seite der Familie weicht und von Dutzenden „Kurpfuschern“ umschwärmt wird, die zu ihrem Idol gepilgert sind, setzt einen Vertrag auf. Er räumt darin erstmals ein, daß das Mädchen todkrank ist und operiert werden müßte.



„Heiler“ macht Teilrückzieher


Gleichzeitig besteht er mit Einverständnis der Eltern aber darauf, daß Olivia noch mindestens vier bis sechs Wochen in Spanien bleibt. Begründung: Die Sechsjährige sei so geschwächt, daß sie die Chemotherapie und die Operation wohl nicht überleben würde. Der Mann, der daran schuld ist, daß es überhaupt so weit kommen mußte, hat also offenbar kalte Füße bekommen, macht einen ersten Teilrückzieher.


Am frühen Nachmittag wird der „Olivia-Pakt“ von allen Beteiligten unterschrieben – vom österreichischen Ärzteteam, von den Eltern, dem „Wunderheiler“ und von Konsul Esten.


Zwei Stunden später gibt Hamer eine Pressekonferenz und behauptet, daß seine „Neue Medizin“ durch diesen Pakt nun offiziell anerkannt sei. Dann ruft er alle Eltern, deren Kinder ähnlich krank wie Olivia sind, auf: „Bringen sie die Krebskranken zu mir nach Malaga.“ Zwischendurch gibt der „Heiler“ zu , daß die „fiat lux„-Sekte bei der Flucht behilflich gewesen sei. Und er beendet seine absurden Äußerungen: „Wenn Tiere Krebs haben, überleben zwischen 80 und 90 Prozent. Menschen sterben nur an der Therapie.„


Ungeachtet dessen setzt Konsul Esten ein Zeichen, um den Druck von den Eltern zu nehmen. Er überträgt für die Zeit des Spanien-Aufenthaltes das Sorgerecht wieder Olivias Mutter.



„Verhaftung hat keinen Sinn“


Dr. Marina Marcovich erklärt dazu: „Das Entscheidende sind jetzt das Gesamtwohl des Kindes und eine neue Gesprächsbasis mit den Schulmedizinern. Eine Zwangsüberstellung des Kindes und eine Festnahme der Eltern sind doch keine Lösung. Wichtig ist, daß Olivia sich jetzt psychisch stabilisiert.„


Dienstag wird der Chef des Wiener St.-Anna-Kinderspitals, Primar Gadner, nach Malaga fliegen. Und einen erneuten, möglicherweise entscheidenden Anlauf zur Rettung Olivias nehmen. Freilich: Der „Olivia-Pakt“ bedeutet, daß an eine Operation frühestens Anfang September zu denken ist. Aber immerhin besteht für das Kind jetzt wieder eine kleine Hoffnung.


Der Kompromiß erfüllt auch den Herzenswunsch der 14jährigen Ursula, eines Schulmädchens aus Graz. Sie litt an der gleichen Krankheit, wurde operiert und ist heute pumperlgesund. „Liebe Kronen Zeitung„, hat sie uns geschrieben, „bitte richtet der Familie Pilhar aus, daß sie Olivia doch eine Chance gibt!“ Schon geschehen, Ursula. Danke für deinen lieben Brief. 





Nachbarn von Erika und Helmut Pilhar in Maiersdorf (NÖ) billigen die Haltung von Olivias Eltern nicht:



“Unverständlich, dem Kind nicht zu helfen“



Malerisch, wie auf einer Postkarte, liegt Maiersdorf, ein kleiner Ortsteil der Gemeinde Hohe Wand, im südlichen Niederösterreich. Hier haben Helmut und Erika Pilhar vor ihrer abenteuerlichen Flucht nach Spanien bei den Eltern der Frau gewohnt. Nachbarn beschreiben die Familie als ruhig und unauffällig.



Wir hatten nie viel Kontakt mit den jungen Leuten. Höchstens beim Einkaufen hat man ein paar Worte gewechselt„, sagt eine Nachbarin. Erika und Helmut Pilhar hatten erst seit vergangenem Jahr bei den Schwiegereltern gewohnt. Sie galten in der Gemeinde als freundliche Menschen, die aber nie Kontakt zu anderen suchten.


Fast bei allen Anrainern stößt die wilde Flucht und die Weigerung, die kleine Olivia mit allen Mitteln der Schulmedizin behandeln zu lassen, auf Unverständnis:

„Es ist für einen vernünftig denkenden Menschen einfach nicht nachvollziehbar, wenn Eltern ihrem lebensgefährlich erkrankten Kind nicht helfen. Daß Olivia Schmerzen hat und nicht gesund ist, steht ja wohl außer Diskussion. Warum die beiden so verantwortungslos sind und einem Scharlatan mehr vertrauen als der modernen Medizin, ist mir ein Rätsel. Der Mann muß sie völlig unter Kontrolle haben. Daß solche Leute in Österreich aktiv werden dürfen, ist eine Frechheit“, sagt Dorfwirt Johann Kamper (39).


Auch die Chefin der kleinen Tankstelle im Ort kann die Reaktion der Eltern nicht verstehen:

„Wenn es jemandem schlecht geht, besonders wenn es das eigene Kind ist, muß man sofort ordentlich helfen. Ich weiß nicht, was mit den Eltern los ist.“


Eine Postbeamtin ist über das Schicksal der kleinen Olivia erschüttert: „Aber wo die Vernunft nicht siegt, hat man gegen die Dummheit der Leute keine Chance“, kritisiert sie die Abhängigkeit der Familie von „Wunderheiler“ Hamer.


Nur Bürgermeister Heinrich Spatling ist anderer Meinung: „Die Österreicher und die Medien sollten umdenken und die Eltern bestimmen lassen.“





Im Kampf gegen die Schulmedizin bedient sich Geerd Hamer auch der Verleumdung



Die Lügen des „Wunderheilers“ 


Mit der Wahrheit nimmt es Geerd Hamer, gilt es seine „Eisernen Regeln des Krebs“ zu propagieren, nicht genau. Seine Lügen hatten ihren Höhepunkt in einem Gerichtsverfahren, bei dem der „Heiler“ 1993 wegen Verleumdung zu 54.000 Schilling Geldstrafe plus sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war.



Ein Chirurg soll, so der Vorwurf des „Heilers„, während einer Operation verkündet haben: „Um Gottes Willen, der Hamer hat recht, jetzt gilt die ganze Schulmedizin nicht mehr.“ Um Hamer aber nicht zum Sieger werden zu lassen, habe der Arzt absichtlich den Patienten während des Eingriffes töten wollen und einen Kunstfehler begangen. Vor Gericht bescheinigte ein Sachverständiger dem Chirurgen eine „medizinische Großtat„, die Hamer-Angriffe entpuppten sich als Lügen.


In einem anderen Fall schmückte der „Heiler“ sich mit fremden Federn: Ein krebskrankes Mädchen wäre mit seiner Methode geheilt worden, die Eltern hätten seine Lehre anerkannt. Alles gelogen, Hamer wurde abgemahnt – zu einer Klage kam es nur deshalb nicht, weil die Fünfjährige starb …


Wesentlicher Bestandteil der Propaganda des Ex-Arztes mit psychopathischen Zügen ist die schriftliche Bestätigung eines niederösterreichischen Amtsarztes, daß die „Neue Medizin“ Geerd Hamers richtig sei. Der Amtsdoktor hat sich längst davon distanziert, Hamer verwendet den Brief jedoch immer wieder als Informationsblatt in hoher Auflage.


Hamers Heilung sieht übrigens so aus: Erleidet ein Mensch einen Schock, setzt ein „Sonderprogramm“ der Natur (in Form eines Tumors) ein. Wird der Konflikt gelöst, ist der Patient durch Hamer geheilt. Wenn nicht, dann nicht. Denn Hamers Theorie: „Der alte Hirsch muß jedes Jahr zum Qualifikationstest gegen den jungen Hirsch antreten. Irgendwann besteht er den Test nicht und muß sterben …

Anmerkung von H. Pilhar

„Die Lügen des Wunderheilers“ – Einem Patienten diagnostizierten Ärzte aus Nürnberg irrtümlich Aszites, ebenso dieser österreichische Chirurge. Nach einer Wette um eine Kiste Champagner willigte der Chirurge in die Operation ein.

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