150 Besucher beim Vortragsabend im Gasthaus Zollinger – Dr. Putz: Nicht nachprüfbare Behauptungen aufgestellt

Schwarzach (bb). Die so genannte Germanische Neue Medizin nach Dr. Ryke Geerd Hamer hat auch im Landkreis Deggendorf Anhänger. Dies zeigte ein vom Neue-Medizin-Stammtisch Hengersberg organisierter Vortragsabend am Donnerstag im Gasthaus Zollinger in Schwarzach. 150 Besucher ließen sich von Ingenieur Helmut Pilhar aus Österreich die Eiserne Regel des Krebs erklären, wonach einer Krebserkrankung immer ein dramatischer Konflikt vorausgehe. Dies ist für Dr. Stefan Putz, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands aus Iggensbach, blanker Unsinn, eine nicht nachprüfbare Behauptung.

Pilhar und dessen Ehefrau Erika hatten 1995 für Aufsehen in den Medien gesorgt: Sie lehnten damals eine Behandlung ihrer an Krebs erkrankten Tochter nach den Grundsätzen der Schulmedizin ab. Die Eheleute flohen mit dem Mädchen nach Spanien, Dr. Hamer begleitete die Eltern auf der Flucht. Die österreichischen Behörden hatten daraufhin den Eltern das Sorgerecht über ihr Kind entzogen.

Erst nachdem es fast zu spät war, so das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg, konnten die Eltern noch zu einer Chemotherapie und einer anschließenden Operation überredet werden. Dem Kind gehe es heute, so das Krebsforschungszentrum, gut. Der Wilmstumor an der Niere sei verschwunden.

Helmut Pilhar ist aber heute noch ein glühender Anhänger der Neuen Medizin. In seinem rhetorisch geschickt aufgebauten Vortrag verwendete er vor medizinischen Laien Fachbegriffe wie Hamer’scher Herd oder Dirk-Hamer-Syndrom und betonte, die Neue Medizin könnte auch einen Herzinfarkt vorhersagen. Patienten müssten bei Krebs, wenn es nach der Neuen Medizin gehen würde, kaum noch Schmerzen erleiden.

Dr. Stefan Putz, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Iggensbach, war von der Deggendorfer Zeitung um einen Besuch des Vortragsabends und um eine Bewertung aus der Sicht eines Mediziners gebeten worden. Er bezeichnete die Ausführungen Pilhars als Unsinn. Viele Thesen seien unhaltbar und pseudo-wissenschaftlich. „Es waren schon einige groteske Aussagen dabei“, so Dr. Putz, „wie etwa, dass bei eineiigen Zwillingen immer einer Rechts- und der andere Linkshänder ist. Dies ist nicht so.“

Pilhar hatte vorher erklärt, bei dem Konflikt, der beim Menschen Krebs auslöse, schalte die Natur ein Sonderprogramm ein: Psyche, Gehirn und Organ würden synchron reagieren. Bei einer Frau, die Rechtshänderin sei, würde bei einem Konflikt dieser über ihrem linken Ohr im Gehirn „einschlagen“, bei Linkshändern sei dies umgekehrt. Nur bei eineiigen Zwillingen sei immer einer Rechts- und der andere Linkshänder.

Das Verabreichen von Penizillin bei Infektionserkrankungen ist nach Ansicht der Neuen Medizin bereits eine kleine Chemotherapie. Ferner gebe es laut Pilhar keine Unterscheidung in gut- und bösartigem Krebs. Alles was die Natur mache, habe Sinn.

Für viele Behauptungen, die Pilhar in seinem Vortrag aufgestellt habe, sei dieser den wissenschaftlichen Beweis schuldig geblieben, stellte Dr. Putz fest. Der Mediziner erklärte, die Wirksamkeit neuer oder neuartiger Behandlungsmethoden müsse in einer ausreichenden Anzahl von Fällen nachgewiesen werden. Bei der so genannten Neuen Medizin sei dies seines Wissens nach nicht der Fall.

Pilhar und weitere Anhänger der Hamer’schen Lehre sehen sich verfolgt und in die Sektenecke gedrängt. Politiker, Gesundheitsbehörden und auch die Medien würden die Neue Medizin totschweigen, betonte der Sprecher am Donnerstag.

Dr. Hamer, dem in Deutschland die Zulassung als Arzt entzogen wurde, ist laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg wegen unterlassener Hilfeleistung, Betrugs und illegaler Ausübung des Heilberufs sowie weiterer Anklagepunkte in Frankreich rechtskräftig zu einer Haftstrafe verurteilt. Im September 2004 wurde Dr. Hamer inhaftiert.

Die Besucher des Vortragsabends mussten fünf Euro Eintritt entrichten. Das Geld werde, so ein Mitglied des Neue-Medizin-Stammtischs in Hengersberg, an Helmut Pilhar zur Deckung von dessen Unkosten übergeben. Während der Vortrags-Pause wurden Bücher und Broschüren verkauft.

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