Der morgendliche Kampf um das Aufstehen war um nichts besser geworden. Meine Motivation, gegen diese Übermacht weiterzukämpfen bezog ich lediglich aus dem Wissen, menschlich gesehen, Recht zu haben. Was hier mit uns getrieben wurde, war Unrecht. Unangemeldet erschien ich auf dem Gericht und erbat das Protokoll der letzten Pflegschaftsverhandlung. Es wurde mir auch sofort ausgehändigt.

Des Öfteren sprachen mich Menschen von der Straße wegen Olivia an. Die meisten hatten die Informationen der Medien, welche oft den Gesundheitszustand von Olivia als regelrecht fabelhaft hinstellten. Ich versuchte entsprechend zu berichtigen. Olivia litt an fürchterlichen Schmerzen in der Bauchgegend und musste sich oftmals übergeben. Des Nachts war sie ständig munter und jammerte. Sie konnte nicht mehr normal gehen, und es war ihr nicht möglich, einen Stift wie früher in den Fingern zu halten. Auch war sie depressiv.

Es war eine typische Vorgehensweise der Medien erkennbar. Olivias Zustand in Deutschland und Spanien wurde als lebensbedrohend hingestellt. Wir Eltern wurden verdammt, unsere Tochter derart leiden zu lassen. Jetzt litt Olivia um ein Vielfaches mehr, und niemand fand etwas daran auszusetzen, zumal dies von den Medien und Ärzten immer auch beschönigt wurde. Schmerzen in einer natürlichen Heilung zu haben, wurde als unmenschlich hingestellt, Schmerzen in der schulmedizinischen Vegiftungstherapie schienen allgemein akzeptiert zu werden. Es war pervers! Es wurde mit keinem Deut der Umstand hervorgekehrt, dass bei einer natürlichen Heilung keine, bei dieser Pseudotherapie aber schwerste Nebenwirkungen zu erwarten waren.

Von der Apotheke besorgte ich die von Dr. Loibner verschriebenen homöopathischen Mittel und brachte sie nach Grünbach zu meiner Mutter, damit sie diese bei ihrem Besuch Olivia mitbringen konnte. Wieder wurde eine Diskussion ausgelöst. Meine Eltern warfen mir vor, ich würde dauernd den Tod von Olivia prophezeien. Ich entgegnete, dass sie selbst, eigentlich aber die Schulmediziner damit begonnen hätten, als wir Olivia noch bei uns hatten.
Jetzt aber, bei einer 92%-igen Mortalität der Therapie, von sicherer Heilung zu sprechen, wäre Schwachsinn.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Rechnung der Anwaltskanzlei Wegrostek erhalten, und da mir die Forderung unangemessen erschienen war, zählte ich in einem Retourschreiben alle Verfehlungen der Kanzlei auf und bat um entsprechende Reduzierung des Honorars. Nun kam widerum ein Schreiben dieser Kanzlei. Darin wies Dr. Wegrostek sämtliche Vorwürfe zurück, ließ aber einen gewissen Betrag aus seiner Honorarforderung nach.

Herr Sellin von „bild am sonntag“ sicherte mir zu, ein Protokoll über den Hergang seiner erhaltenen Erlaubnis von Prof. Dr. Urbanek zuzuschicken. Auch sein Chef fand es eine Sauerei, im Nachhinein Tatsachen derart zu verdrehen. Auch die Redaktion könne den Vorwurf, auf fahrlässige Weise zu dem Bildmaterial gelangt zu sein, nicht auf sich sitzen lassen. Sie werden rechtliche Schritte gegen den, am 3.10.95 erschienen „kurier“-Artikel unternehmen. Auch gegen die „kronen“-Zeitung, die am 2.10.95 von „bild am sonntag“ gestohlene Bilder veröffentlichte, würden sie vorgehen. Somit brauchte ich mich mit der rechtlichen Angelegenheit gegen diese beiden österreichischen Tageszeitungen nicht weiter zu befassen.

AKH:

17. Medizinisches Bulletin:

Die stationäre Behandlung des Mädchens gestaltet sich planmäßig. Die Gaben von zytostatischen Medikamenten (gegen Krebs) werden toleriert. Olivia wird zusätzlich regelmäßig physiotherapeutisch behandelt. Ihre einerseits von der Grunderkrankung her, andererseits auch von der zytostatischen Therapie kommende Appetitlosigkeit hat sich nicht gebessert. Eine zusätzliche Ernährung mit Hilfe von Infusionen und Magensonde ist erforderlich. Obwohl Olivia darüber nicht sehr glücklich ist, ist diese Art der Kalorienzufuhr unbedingt von Nöten.

Olivia besucht regelmäßig unsere Klinikschule und hat auch schon erste Spaziergänge zum Spielplatz in unserem Garten mit ihren Eltern gemacht.

Wiederholte Gespräche mit den Eltern und Familienangehörigen finden zur Aufarbeitung der Krankheitsproblematik statt.
Univ. Prof. Dr. R. Urbanek

„ … einerseits von der Grunderkrankung her, andererseits auch von der zytostatischen Therapie kommende Appetitlosigkeit hat sich nicht gebessert.“

Ein jämmerlicher Versuch, Olivias Appetitlosigkeit nicht zur Gänze der Pseudotherapie zuweisen zu wollen! Olivia war vor der Zwangstherapie in der Heilungsphase und hatte entsprechenden Appetit. Sie aß und hatte normalen Stuhlgang. Sie war zugegebenerweise von der Krankheit und den Strapazen der Flucht her ausgemergelt, das war sie nun vermehrt. Damals aber konnte sie essen, heute nicht mehr.

Liste mit allen Tagebucheinträge, chronologisch sortiert, aufrufen

Olivas tagebuch als PDF-Datei

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