Warum unterbreitet Richter Masizek uns den Vorschlag, meine Schwester Silvia solle die Verantwortung für das regelmäßige Erscheinen Olivias im AKH tragen, wo doch bisher das Jugendamt die Verantwortung getragen hatte und auch nach der Therapie, also nach Ende März dafür zu sorgen hatte, dass Olivia zu den Nachsorgeuntersuchungen erscheinen würde?

Wozu sollte Silvia für den Zeitraum von vier Monaten eine Verantwortung übernehmen, die sie eigentlich gar nicht tragen konnte, wenn Olivia unter der Hand, so wie Richter Masizek meinte, trotzdem bei uns sein könnte? Was steckte da dahinter?

Richter Masizek meinte, dass dadurch das psychologische Gutachten hinfällig werden würde.

Und wer garantierte nach der Therapie für den regelmäßigen Besuch der Nachsorgeuntersuchung? Hatte das Pflegschaftsgericht vielleicht sogar vor, das Sorgerecht bei meiner Schwester zu belassen?

Wie würden die Zeitungen drüber berichten? „Sorgerecht einer vernünftigen Tante übertragen!“ oder so ähnlich. Außerdem würde es auch für die Pharmaindustrie schöner aussehen, wenn eine Tante für die Therapiedurchführung Sorge trägt, als wenn dies das Jugendamt machen müsste. In Verbindung mit dem Jugendamt würde es weiterhin nach „Zwang“, bei der Tante könnte es nach „Vernunft“ aussehen.

Und mit Silvia hätten sie leichtes Spiel, sie ist 100% von der Chemotherapie überzeugt. In ihrem Wahn wäre sie sogar bereit, uns das Kind wegzunehmen. Ich vermute, dass sie sich bereit erklären würde, Olivia bei ihr zu Hause unter Polizeischutz steilen zu lassen.

Ich ging durch die Hölle. Unfähig, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, grübelte ich über einen möglichen Ausweg nach. Das einfachste wäre es, wenn Silvia und Mutter jede Verantwortung von vornherein ablehnen würden.

Was mag wohl in deren Köpfen vorgehen, die sich derart in unsere Familienangelegenheiten einmischen? Mein Schwiegervater war außer sich. Niemals würde er ein derartiges Verhalten meiner Angehörigen verstehen.
Ein Telefonat mit Silvia, die gerade im Zimmer von Olivia war, konnte mich ein wenig beruhigen. Sie erklärte, wenn Olivia bei uns zu Hause sei, könne sie niemals garantieren, dass wir auch wirklich zur Therapie erscheinen werden.
In diesem Sinne hatte sie ja bereits mit Hofrat Marady zuletzt gesprochen. Ich flehte sie weinerlich an, jede ihr angetragene Verantwortung strikt abzulehnen. Sie faselte irgendetwas von einem geleisteten Versprechen gegenüber dem österreichischen Staat und meinte ihre Zusage dem Hofrat Marady gegenüber, im Notfall einzuspringen.

Warum quälte man uns derart?

Liste mit allen Tagebucheinträge, chronologisch sortiert, aufrufen

Olivas tagebuch als PDF-Datei

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.