Der Fall Olivia: Vater gewann alle Medien-Verfahren

Es waren einmal Eltern, die für ihre erkrankte Tochter die nach ihrem Empfinden beste Therapie wollten. Die Eltern handelten aus Liebe, in der Hoffnung und Verantwortung vor ihrem Gewissen, für ihr armes Kind den ganzheitlich optimalen Weg zur Heilung zu finden. Das paßte einigen Medizinern nicht ins Konzept. Die Eltern fragten zuviel, mischten sich regelrecht ein und verweigerten auch Behandlungsschritte. In ihrem Stolz gekränkte Ärzte zeigten die Eltern an und ein Pflegschaftsrichter schaltete sich ein.

Die Eltern verstanden die Welt nicht mehr und suchten bei den Medien offene Ohren. Aus der ersehnten Hilfe wurde bald eine unwürdige Hatz durch Behörden und Medien, die das kranke Kind und die besorgten Eltern in einen Alptraum an medialen Erfahrungen führten.

Im Mai 1995 ging es los. Der „Fall Olivia„, der über Wochen und Monate in den Spitzenmeldung von Rundfunk, TV und auf den Titelseiten der Zeitungen und Magazine zu finden war. Erika und Helmut Pilhar, die besorgten Eltern, waren regelrecht auf der Flucht. Die Geister die sie gerufen hatten, sie wurden sie nicht mehr los. Fotografen, Reporter, Kamerateams hefteten sich an ihre Fersen.

Drei Jahre später sitze ich bei der Familie Pilhar. Ein sonniger Tag, Olivia ist wohlauf und in der Schule. Journalisten zählen aufgrund der Erlebnisse der Familie Pilhar verständlicherweise höchst selten zu den Gästen des Hauses im südlichen Niederösterreich. Ich hatte die erste Ausgabe der „Standpunkte“ geschickt und Pater Andreas Hornig aus Oberwaltersdorf, einen beiderseits geschätzten Geistlichen, als Referenz angeführt und um ein Interview gebeten.

Es war unsere erste Begegnung. Offen und freundlich, wie es unter uns Menschen doch zugehen sollte. Diese herzliche, mit strahlenden Augen und hübschen Antlitzen gesegnete Familie, wird mit ihrem Schicksal fertig. Auch mit den tiefen Gräben, die durch die Ereignisse in der eigenen Familie aufgerissen worden sind.

Es sind Familien wie die Pilhars, die mutig gegen den Strom schwimmen, weil es ihnen ihr (Ge)Wissen gebietet. Helmut Pilhar hat sich mittlerweile eine Kompetenz in Sachen Krebserkrankungen angeeignet, die zumindest eine angeregte Auseinandersetzung mit seinen Positionen gestatten muß. Er ist ein erklärter Anhänger der Neuen Medizin des Dr. Ryke Geerd Hamer und begründet das auch bei Vorträgen, die Ing. Pilhar auf Einladung in ganz Österreich hält. Kostenlos übrigens! Mehr will ich dazu nicht sagen.

Zurück zu unserem Interesse an der Rolle der Medien. Wie gingen diese mit den zwar klugen, aber im Umgang mit Medien völlig unerfahrenen Eltern von Olivia um? Aus den vermeintlichen Verbündeten wurden plötzlich Jagdgenossen, die sich wie auf einer Treibjagd benahmen. Im Visier eine Schicksals-Geschichte, die kein Auge trocken lassen sollte.

Der Supergau der größtmöglichen Medienkatastrophe trat für die Familie Pilhar mit dem ersten Beitrag in „SPIEGEL-TV“ ein. Das Team der Sendung trat beim Interview freundschaftlich und absolut verständnisvoll auf. „Als der Beitrag dann ausgestrahlt wurde, kam alles ganz anders. Es wurde alles verdreht. Wir hielten das für unmöglich. Wir waren fassungslos“, erinnert sich der Elektrotechnik-Ingenieur Helmut Pilhar. Diese erste schlimme Lektion in Medien-Wirklichkeit löste eine wahre Lawine aus.

files/website/inhalt/artikel/19980701_Standpunkte_FallOlivia_3.jpgOhne auf die Fluchtstationen der Familie Pilhar von Kärnten über Deutschland nach Spanien weiter eingehen zu wollen, sei doch erwähnt, daß in ihren Augen in Spanien die Reporter von KRONENZEITUNG und KURIER die penetrantesten waren. Außer den Eltern ging es niemandem mehr um die Gesundung des Kindes. Es war der „Fall Olivia“ und gab seitenweise Stoff für die Berichterstattung. Je länger, desto lieber.

Viele werden sich daran erinnern. Nach der Heimkehr und der richterlich verordneten Zwangstherapie im AKH – Ausgangspunkt war ein Gutachten mit dem Satz: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß die eingeleitete Chemotherapie möglicherweise auch das Ableben der Patientin beschleunigt.“ – fand Helmut Pilhar endlich Zeit, um mit seinem Anwalt rechtliche Schritte gegen KRONENZEITUNG, KURIER und NEWS ausschließlich gegen die schlimmsten Behauptungen und Unterstellungen einzuleiten. Also lediglich die Spitze des Eisberges. Verfahren, die durch die Bank zu gewinnen sein müßten.

Diese Einschätzung des Rechtsanwaltes ging auch ausnahmslos durch. Wenngleich die angeklagten Medien sich bis zur letzten Gerichtsinstanz wehrten. Was sich in vier dicken Ordnern an Verfahrensunterlagen stapelt, brachte der Familie Pilhar geradezu lächerliche 100.000 Schilling „Wiedergutmachungs-Zahlungen“. So wurde ein Erstinstanz-Urteil über 100.000 Schilling für die unhaltbare Behauptung, Herr Pilhar hätte seiner Tochter im Krankenhaus Schläuche aus den Venen gerissen, von der letzten Instanz auf 30.000 Schilling reduziert.

Helmut Pilhar hat ein sehr lesenswertes Buch verfaßt: „Olivia – Tagebuch eines Schicksals“, das bei seinen Vorträgen oder direkt bei ihm unter 02638/81236 zu bestellen ist.

Dieses Schicksal wurde auch verfilmt. Allerdings in einer Version, für die Martin Zimper, seineszeichens auch Berater der Erzdiözese Wien in Medienfragen, den Stoff lieferte. Die Familie Pilhar schloß einen Vertrag mit der TV-Produktion, nachdem der Familienanwalt dazu geraten hatte. Nach all den Erfahrungen mit Medien stellte dieser Vertrag wenigstens einen Hoffnungsschimmer dar. Die Filmproduktion ließ ja unmißverständlich wissen, daß das Projekt in jedem Fall auch ohne Zustimmung der Eltern realisiert werde.

Im Vertrag stand unter anderem: „Die TV-gerechte Aufarbeitung des Falles soll sich demnach am Ablauf der Ereignisse aus der Sicht der Eltern und des Kindes Olivia orientieren. Hiezu ist es erforderlich, eine möglichst detailgetreue und realistische Darstellung des Sachverhaltes unter Namensnennung der betroffenen Personen zu wählen.“

Gut 100 Interviewstunden wurden Martin Zimper gewährt und der Berater der Erzdiözese konfrontierte dabei mit keinem Wort die Pilhars mit Vorwürfen, daß Frau Pilhar einer Sekte angehöre, Herr Pilhar im Spital randaliert hätte und der Tochter Schläuche aus den Venen gerissen. Umso erstaunter war Helmut Pilhar, als er diese Passagen im Drehbuch fand. Er kopierte das Drehbuch und schickte es an Dr. Hamer, der noch weit schlechter wegkam. Als Hamers Anwalt rechtliche Schritte gegen die Drehbuchverfilmung androhte, erhielt er von den Anwälten der Filmproduktion die Antwort: „Dieses Ergebnis gilt umso mehr, als unsere Mandantin keineswegs beabsichtigt eine wahre Geschichte zu erzählen. Dieses hat unsere Mandantin zu keinem Zeitpunkt behauptet, und wird dies auch im Vorspann des Filmes klarstellen. Unsere Mandantin beabsichtigt einen Film frei nach den Ereignissen über die Familie Pilhar zu drehen. Keineswegs verfolgt sie das Ziel diese Ereignisse realitätsgetreu darzustellen.“

Ich bin kein Jurist, aber diese Antwort scheint auch mir einen klaren Vertragsbruch darzustellen. Mit dem Versuch eine einstweilige Verfügung beim Handelsgericht Wien gegen die Drehbuchverfilmung zu erwirken, blitzte Helmut Pilhar ab. Ein Verfahren gegen den Film, der längst ausgestrahlt worden ist, ist anhängig.

Sehr wahrscheinlich wird die Familie Pilhar auch dieses Verfahren gewinnen. Verloren hat sie „nur“ den guten Ruf und das Vertrauen in die Meldungen der Medien.

Reinhard Bimashofer

Es gibt nur eine Wahrheit

„Die Suche nach der Wahrheit ist nicht Befriedigung der Neugier; ihre Erlangung hat nichts vom erregenden Reiz einer Entdeckung; der menschliche Geist steht unter der Wahrheit und nicht über ihr; er ist verpflichtet, statt großspurig über sie zu reden, ihr in Ehrfurcht zu begegnen.“
J.H. Newman


Kann denn das wahr sein?

Obige Frage taucht bei eifrigen Medienkonsumenten fast täglich auf. Wobei die Drucksorten aufgrund der einfacheren Handhabe meist strenger geprüft werden als TV und Radio. Doch von der Möglichkeitsform – es kann und darf meistens wahr sein – zur Wahrhaftigkeitsüberprüfung – ist es wahr? – sind viele Hürden zu nehmen. Mitunter wird es einem zuviel. Irgendwann ist das Maß voll.

Der Konsument fragt sich: Halten uns die für so dumm? Ohne die Antwort darauf geben zu wollen, sieht es ganz danach aus, daß in den Medienunternehmen die Hoffnung besteht, daß in der Flut von Meldungen zwischen wahr und 100prozentig richtig kaum unterschieden werden kann.

Wer kann und will schon überprüfen, ob bei einem Fährenunglück in Bangladesch tatsächlich über 350 Menschen ums Leben kamen. Wenngleich es einen nachdenklich, daß die Fähre gerade zwei Stunden vermißt wird, aber der Wettlauf der Nachrichtenagenturen für die Fütterung der Weltnachrichten gebietet schnelle Geschäftigkeit. Die verrückte Gleichung: Passagiere = Todesopfer.

Welchen Wert so eine Nachricht mit fragwürdigem Wahrheitsgehalt für mich hat? Keinen würde ich meinen. Im Zeitalter von Giga und Mega sind die Sicherungen in den geistigen Schaltzentralen der Meldungshändler offenbar durchgebrannt. Wer kontrolliert die Kontrollierenden?

Die Vereinigung für Medienkultur hoffen Sie? Das Betätigungsfeld ist so umfangreich, daß mit ehrenamtlicher Auseinandersetzung mit den Problemen des Medienalltags bestenfalls ein Tropfen den heißen Stein berührt. Wenngleich das Team um Präsident Herbert Kohlmaier Erstaunliches leistet.

Erstaunliches leistete sich auch „Die Presse“ in einem Bildtext unter dem in Wien gelandeten Papamobil. Dort war von der kostbaren Fracht zu lesen: „Felgen, Türschnallen und Handgriffe sind immerhin mit 18 Karat vergoldet.“ Als gläubiger Katholik war ich darob höchst unangenehm berührt. „Muß das sein“, fragte ich mich und wurde erst am 8. Juni in einer Sendung von Radio Wien aufgeklärt. Wo „Die Presse“ von Gold schrieb, handelt es sich laut Radio Wien um Messing.

Es ist also nicht alles Gold, was glänzt. Muß diese Binsenweisheit einer Qualitätszeitung vermittelt werden? Die Leichtfertigkeit im Umgang mit der Wahrheit macht böses Blut. In erster Linie gegen päpstlichen Gold-Pomp für ein Auto, wo es doch weltweit Hunger gibt.

Wie groß der Hunger nach Wahrheit in den österreichischen Medien sein muß, zeigen wir in diesem Heft mit dem Schwerpunktthema „Journalismus und Wahrheit“ auf.

Der Bogen reicht von einer Buchbesprechung von „Das Waldheim-Komplott“, das den leichtfertigen Umgang sämtlicher Medien mit zum Teil gefälschten Unterlagen über die Rolle Kurt Waldheims in der Wehrmacht demonstriert, nur um seinen Wahlsieg bei der Präsidentschaftswahl um jeden Preis zu verhindern. Bis zu Helmut Pilhar, den Vater von Olivia, deren Krebserkrankung die Familie 1995 zur Flucht vor einer schulmedizinischen Behandlung unter überbordender Medienhysterie bewog. Vier dicke Ordner voll hat Helmut Pilhar mit Medienverfahren, die er nur gegen die schlimmsten, unhaltbaren Vorwürfe angestrengt hat. Er hat sie allesamt gewonnen. Welche lächerliche Summe er dafür als Entschädigung bekommen hat, lesen Sie nebenan. Sein Ruf bleibt ruiniert. Sogar seinen Job hatte Herr Pilhar verloren. Wenigstens Olivia geht es gut. Sie hat ihre Gesundheit wieder.

Daß unsere Medien aus Fehlern lernen und durch Wahrhaftigkeit an Glaubwürdigkeit gewinnen, wünscht sich

Reinhard Bimashofer
Redaktionsleiter „Standpunkte“


Anmerkung von H. Pilhar

Die Zeitschrift „Standpunkte“ schaffte es nur zu einer einzigen Auflagen, dann wurde sie aufgelöst. Herr Bimashofer verlor seinen Arbeitsplatz.

Ob es wegen diesem Artikel passierte, kann ich nicht genau sagen …

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