Um 6:30 Uhr lief der Wecker ab. Ich war wie gerädert und wollte einfach nicht aufstehen. Wenn Du die Sendung machen willst, dann steh jetzt auf, sagte ich mir und sprang aus dem Bett.

Großmutter zog gerade die Kleinen an, und ich schämte mich, dies nicht selbst zu tun. Gleichzeitig aber war ich froh, Großmutter für die Kinder zur Verfügung zu haben. Ich wählte meinen guten, alten Anzug, was ich normalerweise zu vermeiden trachtete und machte mich auf den Weg zum Flughafen.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, „pro 7“ hätte mir in letzter Minute noch abgesagt, um sich an mir für die entgangene Story des Pflughaupt zu rächen. Als ich aber vor den Lufthansa-Schalter trat, wurde mir unaufgefordert, ohne mich erst vorstellen zu müssen, das Ticket nach München überreicht. Ich war bekannt, daran konnte man nicht zweifeln. Die verbleibende halbe Stunde nützte ich für ein Getränk in einer Bar. Selbst der Zollbeamte schien mich zu kennen, denn er winkte mich mit einem Lächeln einfach durch. Bekanntheit hat auch kleine Vorteile.

Der Flug war wegen der großen Maschine angenehm kurz und ruhig. Obwohl ich noch keine Flugroutine hatte, hasste ich bereits die unruhigen, kleinen Fokkermaschinen. Am Münchner Flughafen suchte ich das Hotel auf, in dem mir ein Tageszimmer reserviert worden war. Die gesamte Anlage erschien mir recht futuristisch. Eine Glas-Stahl-Konstruktion, die sich in Form von langen überdachten Rollgängen bis einschließlich dem ziemlich entfernt gelegenen Hotel fortbaute. Das Hotel war imposant. Glas, Stahl und Stein, wohin man schaute. Die Aufzüge waren durch ihre transparente Bauweise eine reine Freude für einen Maschinenbauer.

Ich bewegte mich ziemlich souverän, als befände ich mich im Alltagstrott. Von „pro 7“ war alles gut organisiert worden. Mein Zimmer war luxuriös. Da ich noch ziemlich müde war, legte ich mich sogleich nach meiner Ankunft um 10:00 Uhr nieder und schlief bis 16:00 Uhr. Danach war ich fit und begab mich in die Hotelhalle, um mir einen Kaffee zu gönnen. Gegen eventuelle Nervosität nahm ich die Notfalltropfen von Bach, welche ungemein gut wirkten. Das Leben erschien mir ungewöhnlich verrückt.

Eine etwa 30-jährige Frau holte mich gegen 18:00 Uhr ab und brachte mich zum Sender. Sie zeigte mir die Redaktion, und wir konnten noch ca. eine halbe Stunde plaudern. Sie bewunderte meine absolute Ruhe. Dass ich eine kleine Geheimwaffe, meine Notfalltropfen, angewandt hatte, verschwieg ich ihr.

Schließlich begann die Sendung mit der Moderatorin Sabine Noethen. Sie stellte die erste Frage nach dem Filmvorspann. Zuerst gab ich aber meinen Kommentar zu diesem Vorspann ab und merkte, dass die Moderatorin sogleich nervös zu ihrem Team hinter die Kamera blickte, so als wollte sie mitteilen: „Da haben wir es. Er tut was er will!“

Sonst verlief die Sendung aber ruhig, Ich war völlig entspannt. Mein Vorhaben, die Fröhlich-Geschichte anzuschneiden, gelang mir jedoch nicht.

Von einem Mitarbeiter erhielt ich dann noch die vereinbarte Aufwandsentschädigung. Seine Nase schien dauernd zu laufen, denn er zog bei jedem gesprochenen Satz scharf die Luft ein. Die Nacht verbrachte ich in einem anderen Hotel.

AKH:

18. Medizinisches Bulletin:

Die Spitalsbehandlung des Mädchens verläuft weiterhin planmäßig. Die Medikamente gegen Krebs werden wie vorgesehen verabreicht. Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit und leichte Reizung der Schleimhäute werden einerseits durch zusätzliche Ernährung mittels Infusion und Magensonde und andererseits mit lokalen Maßnahmen (Gurgeln, desinfizierende und anästhesierende Mittel für die Mundschleimhaut) angegangen. Der allgemeine Zustand von Olivia ermöglicht regelmäßige Schulbesuche und kurze Spaziergänge mit den Eltern.

Olivia hat bereits Spielkameradinnen, die sich ebenfalls in Behandlung der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde im allgemeinen Krankenhaus Wien befinden, gefunden.

Univ. Prof Dr. R: Urbanek

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