Morgens aufzustehen, fiel mir immer schwerer. Ich hatte kaum mehr Kraft. Der erste Gedanke war immer, ob heute ein Termin eines Psychiaters auf mich wartete oder ob vielleicht gar schon die Polizei kommen werde, um mich zwangsvorzuführen! Oder stand irgendein Gerichtstermin bevor, oder wird die Post wieder irgendeinen Gerichtsbeschluss überbringen?

Aber was sollte es schon. Irgendwie konnte man sich immer noch Zeit für eine entsprechende Gegenreaktion verschaffen. Man hatte Zeit, auch wenn es nur Tage waren. Ich fühlte mich gehetzt. Wir wurden psychisch unter Dauerstress gehalten. Man stellte uns Fallen. Einen Termin beim Psychiater um den anderen. Wir mussten uns winden, um diesen zu entgehen. Ich sah bereits den Zeitpunkt näher rücken, an dem ich vor Gericht einem Psychiater gegenübersitzen und jede Aussage verweigern müsste. Dann aber brauchte ich Zeugen, die meine Aussageverweigerung bestätigen konnten, denn sonst würde trotzdem ein Gutachten erstellt werden. Staatlicher Psychoterror!

Elisabeth hörte man durchs ganze Haus spielen. Ein Kind, mein Kind! Wie lange noch wird Elisabeth mein Kind sein?

Das Telefon läutete diesen Morgen bereits zum dritten Mal. Gott sei Dank gab es die Technik und einen Anrufbeantworter. Vom Bett aus hörte ich das Läuten, konnte aber nicht hören, wer darauf sprach. Was ist, wenn Erika meine Hilfe benötigt, schoss es mir durch den Kopf und sogleich sprang ich aus dem Bett und hörte den Anrufbeantworter ab. Alle Anrufe kamen von der Presse…

Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und setzte einen Kaffee auf. Elisabeth hatte mir bereits Gebäck an den Frühstückstisch gebracht. Liebe, kleine Elisabeth. Was hast Du nur für einen Vater, der so wenig Zeit für Dich aufbringen kann.

Oft trinke ich morgens nur Kaffee und rauche eine oder zwei Zigaretten, ohne auch nur einen Bissen zu mir zu nehmen. Für mindestens 20 Minuten verharre ich dann völlig gedankenverloren am Tisch. Das brauchte ich seit jeher, sonst war ich nicht ansprechbar. Erst nach der Toilette konnte mein Tagwerk beginnen.

Für diesen Tag hatte ich mir den Presseordner zum Ergänzen vorgenommen. Bis Mittag war ich damit beschäftigt. Mit der Post erhielt ich ein Schreiben von meiner Rechtsschutzversicherung. Man will mir die Rechtsanwaltskosten nicht ersetzen. War es anders zu erwarten? Man schließt doch heute nur mehr Versicherungen ab, damit man sich dann im Ernstfall noch zusätzlich wegen der Nichtleistung der versprochenen Versicherungsdienste ärgern und eventuell noch interessiert die Begründung der Nichtleistung studieren darf! Es kommt immer einer Befriedigung gleich, zu erfahren, auf welche Art und Weise man wieder hereingelegt wurde.

Eine Versicherung und das Lotteriespiel haben eines gemeinsam: Beide kommen einer Deppensteuer gleich.

Wie hoch wohl meine bisherigen Anwaltskosten sein würden? Ich wusste es nicht. Jetzt sah es so aus, als müssten unsere Bausparverträge für die Anwaltskosten herhalten. Was soll es? Irgendwie war ich auf unvorhergesehene, zusätzliche Belastungen gefasst und wegen einer finanziellen Angelegenheit ließ ich mich schon gar nicht aus der Bahn werfen.

AKH:

Im Garten hatte ich ein paar Filmminuten mit den Kindern aufgenommen um diese dann Olivia im Krankenhaus vorspielen zu können. Es kam gut bei ihr an. Erika hatte an diesem Tag bereits ein Tief hinter sich. Sie sehnte sich ein Ende dieser Zwangsinhaftierung herbei. Wir mussten unbedingt zu einer fixen Regelung kommen, wer, wann bei Olivia sein sollte.

Olivia erhielt heute wieder die Chemo. Sie wog 21,2 kg. Veronika fuhr diesmal mit nach Hause und während der Fahrt erzählte sie mir von dem Terror meiner Schwester Silvia gegenüber meinen Schwiegereltern in der Zeit von Spanien.

Bezirkshauptmannschaft:

Auf mein Schreiben vom 11.10.95 wurde mir geantwortet, dass

  • das Besprechungsprotokoll vom 27.7.95 dem Bezirksgericht vorgelegt wurde. (Das stimmte. Frau Dr. Rostovsky irrte. Es gab dieses Schreiben bereits in meinem Besitz, nur unterfertigte dies keine Kinderpsychologin.)
  • gemäß §17 AVG mir keine Akteneinsicht gewährt werde.

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