Für 10:00 Uhr waren die angekündigten Aufnahmen des „orf“ im AKH geplant.

Als ich mit Elisabeth auf der Station ankam, trafen wir Verena und ihre Mutter. Ich dachte bei mir, dass dieser Umstand sofort entsprechend verkauft werden würde.

Allgemein wird ja vom AKH verlautbart, Olivia hätte eine Freundin, mit der sie immer gemeinsam spiele. Verschwiegen wurde allerdings bisher, dass Verena nur einmal im Monat für drei Tage erschien, die Chemotherapie erhielt und dann wieder entlassen wurde. Verena wurde ambulant behandelt und ging sonst auch normal zur Schule. Vor vier Tagen war sie angekommen. Als ich mit Erika sprach, erwähnte sie, dass Verena extra für die Aufnahmen geholt wurde. Eigentlich war sie gestern entlassen worden. Momentan überraschte mich wirklich nichts mehr, ging aber doch zu Verenas Mutter, um in Erfahrung zu bringen, ob sie von alledem auch wusste. Verenas Mutter erzählte, sie sei gestern Abend vom AKH angerufen und gebeten worden, doch mit Verena heute zu erscheinen, da der „orf“ einen Beitrag über die Klinik bringen wolle. Selbstverständlich willigte sie ein, musste aber allerdings heute schnell noch Verena in der Schule entschuldigen. Nach ihren Vorstellungen, ging es darum, Kinder der Station beim Spielen und Lachen zu zeigen. Sie war erstaunt, als ich ihr den Grund ihrer Bestellung nannte. Und genauso kam es auch.

Verena wurde im Klassenzimmer neben Olivia gesetzt und gefilmt. Anschließend filmte ich die Kinder in Olivias Krankenzimmer und gab dann auch noch ein Interview. Auch Urbanek gab eines.

Vor den Filmaufnahmen kam es im Vorraum zu einer intensiven Diskussion zwischen Prof. Urbanek und mir im Beisein von Herrn Bohusch. Ich erzählte unumwunden, dass er ja die kleine Verena hierher beordert hatte. Er wich immer wieder aus und formulierte, wenn ein Kind zum Zahnarzt müsse, so sollte man es ebenfalls ablenken. Professor Dr. Urbanek hatte wirklich immer die allerbesten Vergleiche. Olivia, so meinte er, könnte vor Aufregung nach der kleinen Verena verlangen. Absoluter Schwachsinn.

Der Arzt erwähnte noch, wir werden ständig über die Therapieschritte informiert, was ich ebenfalls dementierte und den Arzt Zefaluschi zitierte, der erklärte, nicht die Eltern von der Therapie überzeugen zu müssen.

Ich zitterte am ganzen Körper, formulierte aber halbwegs ruhig meine Überlegungen: Wenn man einerseits die schulmedizinische Krebstherapie mit 92% Mortalität und andererseits Dr. Hamers Neue Medizin mit 95% Erfolg betrachtet und abwägt und in der Folge das vertrauliche Schreiben von Routil an Krainer liest, worin eine Überprüfung der Neuen Medizin nicht vertreten werden könne, so wird man förmlich dazu gezwungen, eins und eins zusammenzuzählen.

Es wird klar, dass hier Mächte Interesse haben, alles zu belassen wie es bisher war. In Deutschland sterben 200.000 Krebspatienten jährlich, in Österreich 20.000. Krebs galt bisher als fast 100% tödliche Krankheit und niemand wundert es, wenn ein Krebspatient stirbt.

Betrachten wir einmal die gesellschaftliche Position der Ärzte. Man sagt, es sind die Götter in Weiß. Tatsache ist, dass sich kein Richter gegen die Entscheidung eines Arztes oder gegen ein ärztliches Gutachten stellen kann. Wie sollte er dies auch begründen? Der Richter hat sich danach zu richten und sein Urteil entsprechend zu fällen. In früheren Kulturen erfüllte der Hohepriester die jetzige Funktion des Geistlichen und die des Arztes.

Heute ist diese Rolle aufgeteilt. Der Geistliche sorgt für das seelische Wohl, der Arzt für das körperliche Wohl des Menschen. Miteinander beherrschen sie den Menschen. In den wenigsten bekanntgewordenen Medizin-Skandalen wurden Ärzte verurteilt.

Dies ist in der Kirche nicht viel anders. Glauben sie wirklich, dass sich in diesen Berufssparten ausnahmslos Heilige befinden? Es ist doch wohl eher so, dass sie es verstehen, sich zu schützen. Es scheint, als gelten für sie nicht die gleichen Gesetze wie für die Normalsterblichen.

In Ethikkommissionen sitzen: Ärzte, Geistliche und Juristen, aber keine Patientenvertretung! Stimmt es nicht bedenklich, dass alle, außer den Patienten selbst, bestimmen dürfen, welche Therapie vertretbar ist. Hatten wir nicht bereits einmal in der Geschichte eine solche Medizin?

Im Falle von Olivia hörte man sehr oft, was ethisch vertretbar sei und was nicht. Über die Patientin Olivia bzw. über uns Eltern, als Vormund von Olivia, wurde hinweggesehen. Man nahm uns kurzerhand das Sorgerecht.

Ist eine Chemotherapie mit 92% Mortalität und dem langen Leidensweg des Patienten wirklich menschlich vertretbar? Dass sie ethisch vertretbar ist, wissen wir, denn wir kennen die Personen die dies bestimmen.

Erikas Tagebuchnotizen:

Olivia hatte starke Bauchschmerzen, ihr Appetit war praktisch nicht vorhanden. Den ganzen Tag über nahm sie 1/2 Tasse Tee und ein Stück Mandarine zu sich.

Schreiben von Dr. Loibner an das AKH:

Abgesehen von dem ärztlichen Resümee des Schreibens, teilte Herr Dr. Loibner Herrn Prof. Urbanek auf meine Bitte hin mit, wenn die Chemotherapie verkürzt werden sollte, wäre ich bereit, von meinen Aktivitäten mit den Medien Abstand zu nehmen. Aber auch seiner ärztlichen Meinung nach sollte über das Ausmaß der Chemotherapie nachgedacht werden.

Liste mit allen Tagebucheinträge, chronologisch sortiert, aufrufen

Olivas tagebuch als PDF-Datei

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