Telefonat mit Erika:

Eigentlich wollte sie schon zeitiger am Vormittag weggehen, es war ihr aber bekanntgegeben worden, dass Olivia erhöhte Entzündungswerte habe. So mussten sie noch weiter im Spital verbleiben.

Später rief sie nochmals an und erklärte frustriert, dass eine Ärztin lediglich Werte in eine Tabelle eintragen musste, Olivias Gesundheitszustand nicht wesentlich schlechter als gestern sei und sie nunmehr heimfahren durften.

Gott sei Dank! Ich hatte wirklich schon Schlimmeres befürchtet.


Gegen 13:00 Uhr konnte ich die beiden vom Bahnhof holen. Olivia war aber trotzdem sichtlich kränker. Sie war depressiv und hatte starke Schluckbeschwerden. Den ganzen Tag über hatte sie keinen Bissen oder auch nur einen Schluck Tee zu sich genommen. Gegen die Hals- und Rachenschmerzen gurgelte sie mit in Wasser gelöstem Schüsslersalz. Es schien kein Spiel, keine Beschäftigung für sie zu geben, die sie von ihren Schmerzen längere Zeit abzulenken vermochten. So schlimm war es ihr mit den durch die Chemo ruinierten Schleimhäuten noch nie ergangen.

Unser Kind wurde vor unseren Augen kontinuierlich vergiftet. Diese Therapie mag zwar „ethisch vertretbar“ sein, menschlich gesehen konnte man sie nicht vertreten. In solchen Momenten empfand ich gegen diese verständnislosen Handlanger der perverskranken Chemodiktatur nur Hass. Wann mag wohl die Vernunft der Patienten die Größe erreicht haben, um sich erfolgreich gegen diese Scharlatane zur Wehr zu setzen?

Vor Monaten erzählte mir meine Tante von einem Gespräch mit einem Geistlichen, der vermehrt mit Eltern zu tun hatte, deren Kinder im St. Anna-Kinderspital behandelt wurden. Seiner Meinung nach war das Hauptproblem der geringen Erfolge in der orthodoxen Krebstherapie von Kindern das, dass sie von ihren eigenen Eltern aufgegeben wurden.

Diese Perspektive wurde mir bewusst, als Erika über ihre momentane Belastung klagte. Sie war nunmehr in der 17-ten Woche schwanger. Durch die momentane Krise von Olivia, war es ihr kaum mehr möglich, eine Nacht durchzuschlafen. Olivia selbst war gegenüber Erika viel ungehaltener als mir gegenüber. Ich selbst war in den vergangenen Tagen aber stark verkühlt und hatte überdies viele Besorgungen betreffend Arbeitsamt, Gericht, Rechtsanwalt usw. zu machen. Wir mussten achtsam sein, uns nicht aufreiben zu lassen.

Eine „Therapie“, die ein Kind derart vergiftet und belastet, dass das Leid des Kindes für Eltern unerträglich wird! Ein Teufelskreis, der sich aufschaukelt!

Olivia durfte diese Nacht bei uns in Maiersdorf verbringen. Wenn sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessern sollte, wäre dies sicherlich vorerst die letzte Nacht.

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