Am Morgen hätte ich fast einen Verkehrsunfall am Gürtel verursacht. Dieser Vorfall war vielleicht wieder ein Zeichen für mich, nicht übermütig zu werden.

Ein Fotoreporter wollte ein Foto von Olivia haben. Da ich keine weiteren Schwierigkeiten bekommen wollte, musste er selbst sein Glück versuchen, um am Sicherheitsbeamten vorüberzukommen. Von Seiten Olivias bestand keinerlei Infektionsgefahr, und Besuch empfing sie in großem Ausmaß. Der Fotoreporter sollte sich als Freund der Familie ausgeben. Dies scheiterte jedoch an der genauen schriftlichen Weisung des Sicherheitsbeamten. In dieser waren alle Personen vermerkt, die Olivia besuchen durften. Sogar meine eingeschränkte Besuchszeit von 5 Minuten war daraus ersichtlich. Jedoch ließen die Wachbeamten, die rund um die Uhr im Schichtbetrieb Olivias Zimmer bewachten, gelegentlich auch andere Personen, vorwiegend allerdings Frauen, in das Krankenzimmer.

Ein zweites Mal ging ich zu Mittag zu Olivia. Frau Dr. Slavc hatte ja gemeint, dass es für Olivia besser wäre, wenn ich sie öfters und länger besuchen würde.

Olivia war im Rollstuhl am Gang, und ich führte sie ein paar Mal auf und ab, als ein Sicherheitsbeamter mir gegenübertrat. Er erklärte, sein Chef, jener korpulente, unhöfliche Herr Ortner (aus der Fotostory), hätte in beauftragt, mich aus der Klinik zu weisen. Es bestünde noch immer die Anweisung, dass ich lediglich für einmal und für fünf Minuten pro Tag meine Tochter besuchen dürfte. Dem Beamten war dies sicherlich peinlich, einen Vater von seiner kranken Tochter zu trennen, zumal er wusste, dass sein Chef sich nur an mir rächen wollte, selbst aber nicht die Courage hatte, mir gegenüberzutreten. Ich musste also wieder gehen und auf eine neue schriftliche Weisung warten.

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