Der Stoff aus dem die Träume sind – ein grosses Geschäft

ARZT-SERIEN UND SCHICKSALS-FILME sind für die TV-Sender ein lukratives Geschäft: Die Werbe Inseln dieser Programme sind stets überbucht. Kritiker konstatieren allerdings eine verflachungsspirale: Die Filme werden immer simpler!“

Vorreiter in Sachen „Herz & Schmerz” ist in Deutschland der Sender SAT1, der schon seit vielen Jahren auf Programme speziell für Frauen setzt. Gerade ist die letzte Klappe zu drei 90minütigen Specials von Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg gefallen, die im Weihnachtsprogramm gesendet werden. Und es war ebenfalls SAT1, das mit einer simplen, aber nachgerade genialen Idee den Ärzte-Boom im Privat-TV ausgelöst hatte.

Groschen-Romane. Warum Stoffe und Serien erfinden, wenn es ohnedies Dutzende Groschenromane am Markt gibt, die nach Verfilmung schreien? Manfred Kölzer, stellvertretender Verlagsleiter bei Bastei-Lübbe: „Vor 10 Jahren bin ich mit unseren Heftchen von Sender zu Sender gezogen. Damals hatte keiner Interesse, diesen Kitsch zu verfilmen.“ Doch dann beschloß SAT1 eine Kooperation mit dem „Heftchen­verlag” und produzierte den Bergdoktor. Seit diesem ersten „gemeinsamen“ TV-Erfolg kann sich Bastei-Lübbe der Angebote kaum erwehren. RTL erwarb die Rechte an Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Und weitere Serien folgten: Kurklinik Rosenau (SAT1), Dr. Thomas Bruckner (RTL) – beide schon in Heftchenform erschienen.

Gigantisches Werbe-Geschäft. Für Sender und Verlag ist die Kooperation höchst einträglich. Ob Bergdoktor oder Dr. Stefan Frank allein in Deutschland verfolgen zumindest fünf Millionen Menschen deren aufopferndes Tun. Und die Werbeinseln sind „immer ausgebucht“, wie man sowohl bei SAT1 als auch bei RTL bestätigt. Für die drei Anna-Maria-Specials zu Weihnachten sind sogar schon jetzt, im Hochsommer, alle Werbesekunden vergeben. Lizenzgeber Bastei-Lübbe übrigens verzeichnet einen um 20 % gestiegenen Heftverkauf!

TV-Movies. Aber nicht nur Serien bringen tolle (Frauen-)Quoten. Vor allem die selbstproduzierten TV-Dramen der Sender (SAT1 und RTL bis zu 30 Filme pro Jahr!) locken ein Millionenpublikum. Tina Ziegler, verantwortlich für die Programm-Koordination bei SAT1, zum eigenfabrizierten Tränendrüsen- Boom im TV: „Alle Sender müssen einfach anerkennen, daß sich die Zuseher mit “True Stories”, die in Deutschland oder Österreich spielen, weit besser identifizieren können.“ Auch Österreich leistet heuer seinen Beitrag in Sachen TV-Herz-Schmerz. Die Geschichte der krebskranken Olivia Pilhar wurde (in abgewandelter Form) von SAT1 bereits gesendet, RTL wird im Herbst mit Olivia – Die wahre Geschichte nachziehen.

Schicksale als Berieselung. Daß die TV-Movies immer simpler werden, will bei den Sendern natürlich niemand bestätigen. Doch eine neue Studie des Hamburger BAT Freizeit-Forschungsinstitutes untermauert diese These: Frauen schalten zwar mit Vorliebe bei Serien und TV-Movies ein – sehen aber häufig nur so nebenbei hin, beschäftigen sich mit Bügeln oder Handarbeit. Die Erklärung für diesen sanften TV-Boykott liefert der Verfasser der Studie, Prof. Horst Opaschowski: „Es wird alles kopiert, was gute Quoten bringt. Die Verflachungs-Spirale droht. In einer Art Fahrstuhleffekt werden die TV-Programme eine Niveau-Ebene tiefer gefahren.”

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

KOSTENLOSER NEWSLETTER

Abonnieren Sie meinen Newsletter um regelmäßig über Erfahrungsberichte, Veranstaltungen und sonstige aktuelle Themen informiert zu werden.

Ich versende keinen Spam und geben Ihre Daten nicht weiter!