Olivias Leben nach dem Drama

Während “Krebskind” Olivia Pilhar gegen sein Trauma ankämpft, kämpfen die Eltern gegen die Ausstrahlung des Films zum Drama.

Ein bißchen unsicher stakst das siebenjährige Mädchen durch die hohe Spätsommerwiese und macht es sich dann in der Hängematte bequem. Auf Bitten ihres Vaters lächelt sie routiniert in die Kamera. Nur die Schatten unter den Augen des Kindes verraten, was Olivia Pilhar aus Maiersdorf in Niederösterreich im vergangenen Jahr durchlitten hat.

Eine Rückblende. Rückblende zum Juli 1995: Olivias Eltern, Erika und Helmut Pilhar, hatten nach der Krebsdiagnose an ihrer Tochter das Vertrauen in die Schulmedizin verloren und waren dem Ruf des selbsternannten “Krebsheilers” Ryke Geerd Hamer nach Malaga gefolgt. Von der Interpol verfolgt und den Medien gehetzt, kehrte die Familie schließlich doch zurück. Der öffentliche Streit zwischen Behörden und Eltern um die Behandlung des Kindes machten Olivia zu prominentesten Krebspatientin Europas.

Als Ende Juli die Behandlung im AKH begann, schätzten die Behandelnden Ärzte die Überlebenschance des Mädchens nur noch auf fünf Prozent. Wochenlang bangte die Nation um Olivias Leben. Im September wurde schließlich der Tumor und eine befallene Niere entfernt, die nervenaufreibende und quälende Chemotherapie bis zum heurigen Frühjahr fortgesetzt. Während die Eltern nach wie vor der Ansicht sind, daß sie “von den Schulmedizinern verstümmelt” wurde, feiern die Ärzte Olivias Genesung als Erfolg. Vater Pilhar veröffentlichte im Juni seine Sicht in “Olivia – Tagebuch eines Schicksales”. Er hält Lesungen, doch der Verkauf läuft zäh: “Die Buchhandlungen boykottieren das Buch. Man kann es leider nicht überall bestellen.”

Die Chemo-Folgen. Mittlerweile sind Olivias Haare streichholzlang nachgewachsen. Die spastische Lähmung ihrer Beine läßt allmählich nach. Oft kann sie schon völlig auf die Plastikschienen für ihre Unterschenkel verzichten. Helmut Pilhar sieht die Genesung nach wie vor skeptisch: “Man merkt, daß es ihr besser geht. Aber sie ist noch immer schwach auf den Füßen und fällt sehr oft hin.” Während die äußerlichen Nebenwirkungen der Chemotherapie langsam nachlassen, bleiben andere Beschwerden möglicherweise für das ganze Leben. Die Tätigkeit des Herzens ist deutlich eingeschränkt, der Verlust der Niere belastet die Leber.

Psychische Nebenwirkungen. Obwohl Olivia stark gewachsen ist, hält sie seit Monaten bei mageren 24 Kilo. Auch wenn sie Appetit hat und eigentlich gut ißt – sie nimmt nicht zu. Und auch psychisch zeigen sich die Langzeit-Nebenwirkungen des monatelangen Aufenthaltes im Spital. Ihre Eltern merken das daran, daß sie nachts plötzlich im Schlafzimmer auftaucht – was sie früher nie getan hat: “Sie hat oft Alpträume vom Krankenhaus. Dann wacht sie auf, weint und kommt zu uns. Sie hat seit ihrer Rückkehr aus dem Spital eine Riesenangst, alleine im Bett zu schlafen.”

Wenn Olivia zu den monatlichen Blutuntersuchungen ins Spital muß, “schmeißt sie jedesmal die Nerven hin”, sagt Vater Helmut Pilhar. Das Trauma der Olivia Pilhar wird noch zwei Jahre währen. Erst dann können die Ärzte mit Sicherheit sagen, ob der Krebs seinen Angriff abgeblasen hat.

Claudia Schanza

Diskussion um Olivia-Film

“Das Drehbuch enthält Lügen”

Eltern blockieren per Gericht die RTL-Ausstrahlung.

Seit fast zwei Wochen blockiert eine einstweilige Verfügung der Pilhars die Ausstrahlung der längst abgedrehten Olivia-Biografie in Österreich. Olivias Eltern wollen verhindern, daß der Film in dieser Form vom deutschen Privatsender RTL ausgestrahlt wird. Und sie verzichten auf viel Geld: Jeder Elternteil hätte 100.000 Schilling kassiert, für Olivia liegen 300.000 auf einem Sparbuch. Bis zur Klärung des Gerichtsstreits bleiben die beretis ausbezahlten Honorare auf dem Konto eines Wiener Notars “eingefroren”.

Olivias Mutter Erika Pilhar hat überhaupt kein Verständnis für die umstrittenen Passagen im Drehbuch: “Das ist weder die ´wahre Geschichte´noch besonders einfallsreiche künstlerische Freiheit.”

Am meisten ärgern sich die Eltern über jene Filmszene, in der Vater Helmut Pilhar seiner chemotherapierten Tochter die Infusionsschläuche herausreißt. Der “echte” Helmut Pilhar über diese Darstellung: “Das ist eine glatte Lüge. Als wir den Vertrag für das Drehbuch vereinbarten, wurde uns vom Drehbuchautor Martin Zimper versprochen, daß der Film eine Erzählung aus unserer Sicht werden sollte. Und jetzt ist das Gegenteil der Fall.”

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