Baby im “Senf” stößt Politikern sauer auf

Wr. Neustadt: Wirbel um Zeitschrift, Jugendzentrum und Obmann

Stefan Straka

“Senf” heißt die neue Hauszeitung des Wiener Neustädter Jugendvereins “Triebwerk”. Der ebenso “delikate” Blattinhalt sorgt in Wiener Neustadt derzeit für heftige politische Tumulte.

Stein des Anstoßes ist eine offenbar als Satire gedachte Collage, die darstellen soll, wie ein Baby richtig filetiert wird, um es als Essen zubereiten zu können. Das als “kleine Mahlzeit zwischendurch” bezeichnete Kunstwerk stammt vom 20jährigen Wiener Neustädter Nils Jürgenssen. Der Vater des Künstlers ist nicht nur Obmann des im September neu eröffneten Jugendzentrums, sondern auch Vorstand der Kinderabteilung am Krankenhaus. Die öffentliche Erregung über die künstlerischen Ergüsse des Primar-Filius waren damit perfekt. Die Zubereitungs-Anleitung drückte bei so manchem Stadtpolitiker gehörig die Magennerven. “Die Zeichnung ist ein Skandal, so etwas ist eine Frage der Ethik”, schäumte VP-Vizebürgermeister Klaus Schneeberger beim Durchblättern der Zeitung. “Das ist eine Rufschädigung für Krankenhaus. Der primar muß sich etwas überlegen, er hat eine moralische Verpflichtung in seinem Beruf. Die Stadt-Freiheitlichen gingen noch einen Schritt weiter. Sie forderten den Kinderarzt zum Rücktritt auf.

“Man kann darüber diskutieren, ob die Collage Kunst oder Provokation ist”, verteidigt Kinder-Primar Olaf Arne Jürgenssen die Thematik. An einen Rücktritt denkt der Primar aber nicht: “Mein Beruf als Kinderarzt hat mit der Obmann-Funktion des Vereins nichts zu tun.”

“Senf”-Chefredakteurin Katrine Henk hatte mit derartigen Reaktionen nicht gerechnet. Sie vermutet: “Es ist ein Vorwand, um dem Triebwerk zu schaden.”

Ein VP-Dringlichkeitsantrag bei der Gemeinderatssitzung wurde abgewiesen. Bürgermeister Peter Wittmann beschäftigt nun den Jugend- und Sozialausschuß mit der Thematik: “Wir stellen uns der Diskussion.”

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