„Spontanremissionen“ bei Krebs- Ärzte stehen oft vor einem Rätsel

Wie durch ein Wunder geheilt – Gibt es das wirklich?

Bronchialkrebs in der rechten Lunge – die niederschmetternde Diagnose für Walter Arnim*. Der Tumor kann bei einer Operation zwar vollständig entfernt werden, doch nach wenigen Monaten herrscht Gewißheit: Metastasen im Bauchraum, in der Leber, in der Lunge – ein Todesurteil. Die Ärzte sehen keine Chance auf Heilung und entlassen den 62 jährigen mit einem Schmerzmittel nach Hause. Erst ein Jahr später erscheint Walter Arnim wieder in der Sprechstunde seines Facharztes – völlig beschwerdefrei. Der Onkologe ist verblüfft: keine Metastasen mehr. Und auch heute – fünf Jahre später – ist Walter Arnim gesund.

Ein weiterer Fall: Birgit Stern* leidet an metastasierendem Bauchfellkrebs. Die Chemotherapie schlägt fehlt, eine Operation ist unmöglich. Die 26 jährige wird von den Ärzten aufgegeben. Drei Jahre später hat Birgit Stern keine Beschwerden mehr, nach weiteren drei Jahren ist der Krebs verschwunden.

Spontanremissionen“ nennen Mediziner Heilungen, bei denen sich ein bösartiger Tumor von selbst – das heißt ohne weitere medizinische Behandlung – völlig zurückbildet. Einige deutsche Krebsspezialisten haben damit begonnen, dieses Phänomen zu erforschen. Im April 1997 veranstaltet die Deutsche Krebsgesellschaft ein erstes internationales Symposium in Heidelberg zu diesem Thema.

Im Auftrag der Deutschen Krebshilfe untersuchen Professor Dr. Walter Gallmeier und Dr. Herbert Kappauf, Onkologen am Städtischen Klinikum Nürnberg, solche ungewöhnlichen Krankheitsverläufe. Bisher konnten die beiden Experten zehn Fälle von Spontanremissionen beobachten. Auch Professor Dr. Manfred Heim, Leiter der Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf, stieß innerhalb weniger Jahre auf 15 medizinisch nicht nachvollziehbare Heilungen. Gemessen an rund 200 000 Krebstoten pro Jahr in Deutschland erscheinen diese Zahlen verschwindend gering. „Es gibt aber Schätzungen von 60 000 bis 100 000 Spontanremissionen. Manche Wissenschaftler vermuten sogar eine höhere Zahl, weil die meisten Fälle nie veröffentlicht werden“, erklärt Professor Heim.

Unbekannte Heilkräfte des Körper wirken mit

Auch weniger spektakuläre Krankheitsverläufe werfen Fragen auf, die die Mediziner trotz aller Fortschritte bis heute nicht beantworten können: Warum zeigt eine Chemotherapie bei dem einen Patienten gute Erfolge, bei dem anderen aber nicht? Warum lebt – bei gleicher Prognose – der eine Krebskranke nur noch vier Monate, der andere jedoch noch zwei Jahre? „Daß eine Tumorerkrankung günstiger verläuft als erwartet, erleben wir immer wieder. Spontanheilungen sind kein Wunder. Sie sind nur ein extremes Beispiel für günstige Krankheitsverläufe“, betont Dr. Kappauf. Sicher sei allerdings, daß unser Körper Selbstheilungskräfte besitze, über die die Wissenschaft noch zu wenig wisse. Professor Gallmeier: „Für mich steht fest, daß bei jeder medizinischen Behandlung ein noch unbekannter Anteil von Heilkräften mitwirkt. Und so ist eine Heilung mit Hilfe der Chemotherapie nur möglich, wenn zusätzlich körpereigene Kräfte wirksam werden.“

Die Krebsexperten suchen weitere Fälle von Spontanremissionen. Informationen an: Dr. Herbert Kappauf, Institut Medizinische Onkologie, Klinikum Nord, Flurstr. 17, 90340 Nürnberg oder Professor Dr. Manfred Heim, Sonnenberg-Klinik, Hardstr. 13, 37242 Bad Sooden-Allendorf

Psyche beeinflußt Selbstheilungskräfte des Körpers

Die Krebsspezialisten Dr. Herbert Kappfauf und Professor Manfred Heim kamen bei der Untersuchung von Spontanremissionen zu folgenden Ergebnissen und Vermutungen:

  • Von der Psyche scheinen in vielen Fällen heilsame Impulse auszugehen. Die seelische Verfassung kann zum Beispiel die Fähigkeit des Körpers beeinflussen, genetische Defekte zu reparieren. Selbst die Reaktionen des Immunsystems können durch psychische Einflüsse negativ wie positiv verändert werden.
  • Die Wahrscheinlichkeit einer Spontanheilung hängt auch von der Krebsart ab. Bei Nierenzellkrebs, schwarzem Hautkrebs oder Lymphdrüsenkrebs werden häufiger spontane Remissionen beobachtet als bei anderen Tumorarten
  • Gute Beziehungen zu anderen Menschen scheinen entscheidend für den Heilungsprozeß zu sein. Wichtig sind hier der Partner, die Familie, eine Selbsthilfegruppe oder gute Freunde.
  • Eine Spezielle Diät, eine bestimmte Lebensweise oder die „richtige“ Einstellung helfen nicht nachweisbar, den Tumor zurückzubilden. Untersuchungen zeigen, daß Geheilte ganz unterschiedliche Methoden angewendet haben – häufig auch gar keine.

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