FILM UND REALITÄT

Letzte Klappe: Mutter und Großmutter am Bett der todkranken Olivia (Christina Uhl). Ein Foto für die  Presse: Erika (Therese Lohner), Helmut (Michael Roll), Olivia mit ihrem Wunderdoktor Geerd Hamer (Ludwig Schütze).  Unten die „echten“ Pilhars am 11. November im Wiener Landgericht. Sie lesen ihre Urteilsschrift. Beide glauben immer noch an die Theorie des Krebsgurus

Krebskind Olivia

Drama

Ein Schlagzeilen–Schicksal : Ein Wettlauf mit dem Tod, ein obskurer Wunderheiler. RTL hat einen bewegenden Film daraus gemacht.

Das Kind kann sich kaum auf den Beinen halten, die Augen fallen ihm zu – in seinem Bauch schmerzt ein fußballgroßer Tumor. Olivia an der Hand ihres Vaters Helmut Pilhar und der des Wunderheilers Geerd Hamer. Beide spornen sie an weiterzulaufen. Dahinter geht die hilflos wirkende Mutter Erika. Um sie herum klicken Kameras. Eine Szene aus dem Film „Olivia – Ein Kinderschicksal bewegt die Welt“ (27. November, 20.15 Uhr, RTL). Michael Roll spielt den Vater, Ludwig Schütze ist der Wunderheiler, Therese Lohner die Mutter.

Die Geschichte der Familie erregte Europa weit Aufmerksamkeit. Rückblende: Am 18. Mai 1995 diagnostizierten Ärzte bei der sechs­jährigen Olivia einen Wilms-Tumor im Früh­stadium. Eine Krebsart, der die Schulmedizin mit Erfolg begegnet: 96 Prozent der Fälle können – früh erkannt – geheilt werden. Die Ärzte raten den Eltern Pilhar zu sofortiger Chemotherapie. Die beiden suchen nach Alternativen. Sie flüchten mit Olivia nach Spanien, um sie dort von dem deutschen Krebsguru Geerd Hamer behandeln zu lassen. Doch der Tumor wächst weiter. Der österreichische Staat bis hin zum Bundespräsidenten schreitet ein. Den Eltern wird das Sorgerecht entzogen. Nach zwei Monaten Flucht vor der Schulmedizin läßt sich die Familie zur Rückkehr nach Wien bewegen. Europas prominenteste Krebspatientin kann behandelt werden.

Happy-End mit Vorbehalt: Ostern 1996 wird Olivia – weitgehend geheilt – aus dem Krankenhaus entlassen. Die Eltern mußten wegen fahrlässiger Körperverletzung und Kindesentziehung vor Gericht. Beide erhielten eine achtmonatige Haftstrafe auf Bewährung, wollen in die Berufung. Ihr Kind wurde zur Symbolfigur in der hitzigen Diskussion um Schul- und Alternativmedizin.

Länger als 100 Stunden hat der Drehbuchautor Martin Zimper mit den Pilhars gesprochen, behutsam ein Skript für neunzig Minuten Film daraus gemacht. Filmmutter Therese Lohner hat sich mit der umstrittenen Hamer Lehre auseinandergesetzt, über vier Stunden Video-Material über Olivia angesehen. „Ich hätte gerne mit den Pilhars geredet. Doch nachdem sie die Filmrechte verkauft hatten und wir mit dem Dreh begannen, wollten sie den Film stoppen, weil Hamer nicht recht gegeben wird. Es wird niemand an den Pranger gestellt, sondern einfach die Problematik Schul- und Alternativmedizin gezeigt“, erzählt die 31jährige Schauspielerin, die den Fall in den Medien verfolgt hat. „Als ich eines Tages Olivia mit diesem riesigen Tumor sah, verließ ich jedesmal das Zimmer, wenn von ihr die Rede war. Es hat mich so berührt – dieses Mädchen hat keine 20 Kilo mehr gewogen, und der Tumor war sieben Kilo schwer.“

Therese Lohner, Tochter von Helmut Lohner und Karin Baal, stellt eine Mutter dar, die ihr Kind über alles liebt. Und irgendwann über die Situation die Kontrolle verliert und verbissen an Hamers Medizin festhält. „Man kann nicht sagen: Das ist gut oder das ist schlecht. Einerseits verurteile ich die Eltern, weil sie ihrem Kind Schmerzen verursacht haben. Andererseits weiß ich nicht, wie ich reagieren würde. Krebs kriegen doch immer nur die anderen, nie man selber. Ich bitte Gott oder wen auch immer, daß mir so etwas nie passiert.“

Juliane Rohr-Prüssing

ÜBERLEBENSKAMPF

Olivia Pilhar im Juli 1995 (o.) – heute gilt sie als geheilt

MITTWOCH

Olivia

20.15 Uhr, RTL

Dieses TV-Drama erzählt die wahre Geschichte des krebskranken Mädchen Olivia Pilhar (Christiana Uhl). Als bei dem sechsjährigen Mädchen Krebs diagnostiziert wird, entziehen ihre Eltern es der Obhut der Schulmedizin. In Spanien lassen sie es von dem Wunderheiler Geerd Hamer (Ludwig Schütze) behandeln – doch Olivia geht es immer schlechter.

Anmerkung von HPilhar

Gleich zu Beginn der Verhandlung ließ mich Richter Jedlicka vortreten an den Richterpult und überreichte mir einen Brief, der bei ihm abgegeben und an uns Eltern adressiert war. Diesen Brief lasen wir uns durch und nicht das Urteil, wie fälschlich behauptet wurde. Der Absender des Briefes war ein österr. Beamter, der sich für die uns Eltern gegenüber wortbrüchige Republik Österreich entschuldigte und uns aus eigener Tasche öS 100.000.- spendete. 

19961121 gala therese lohner und krebskind olivia 06

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