Andrea arbeitet in einem Geschäft für Damenbekleidung und hat mir von der folgenden Begebenheit erzählt. Es ist nicht die erste derartige Geschichte. Immer wieder sagten wir uns: “Das ist unglaublich, das sollten wir aufschreiben.” Diesmal haben wir’s aufgeschrieben.

Eine Frau, Anfang/Mitte 40 kommt in den Laden. Nach der Anprobe kommt sie aus der Kabine und fährt sich mit der Handfläche über die Stirn und wischt sich den Schweiß ab.

Andrea: Ist Ihnen nicht gut? Möchten Sie sich setzen? Brauchen Sie was?

Die Kundin erzählt, dass sie in den künstlichen Wechseljahren ist, nachdem sie Brustkrebs hatte und ihr eine Brust abgenommen wurde. Sie ist Postbotin, 44 Jahre alt.

Andrea fragt, wie es dazu gekommen ist, ob sie irgendwelche Schmerzen gehabt hätte.

ERSTE SORGEN:

Die Kundin kommt ins Reden. Nach dem Duschen hat sie eine Schlupfwarze bemerkt. Sie steckte in Konfirmationsvorbereitungen und hat dieser Beobachtung kaum Bedeutung zugemessen. “Ich hab gedacht, die hat wohl heute keine Lust”. Doch etwa vierzehn Tage später beobachtet sie weiter oberhalb eine Beule (“Das ist doch nicht normal”) und beschließt sofort zum Arzt zu gehen.

MAMMOGRAPHIE:

Ihr Frauenarzt ist nicht da, sie geht zu einer Vertretung. Von dort wird sie sofort zur Mammographie geschickt.

DIAGNOSE KREBS:

Es wird Krebs festgestellt. Es folgen Tests ob der Krebs gutartig oder bösartig ist. Es wird gestanzt. Danach wird entschieden, ob die Brust abgenommen wird oder nicht. Der Krebs wird als bösartig eingestuft. Es werden Knochendichtemessungen durchgeführt.

OP:

Die Brust wird abgenommen. Für die entfernte Brust wird Gewebe aus der Rückenpartie entnommen. Dort bleibt eine Narbe. Die Schönheits-OP folgt später.

“Was du da so auf einer Krebsstation siehst: Darmkrebs, Bauchspeicheldrüse, da bin ich ja noch gut dran! Ich war nicht die Jüngste mit Brustkrebs und Amputation!”

CHEMO:

Gleich nach der OP beginnt die Chemo. Es wird ein Infusionskanal gesetzt. Er bleibt auch danach noch drin. “Wenn in den nächsten zwei Jahren nichts passiert, dann kommt er raus.”

Während der Chemo sind ihr die Haare ausgefallen, die Fingernägel und Fußnägel verfault und zerbröselt. Sie konnte keine offenen Schuhe mehr tragen. Sie ist kein Modepüppchen, aber das mit den Haaren war am Anfang ganz schlimm. “Ich konnte mich nicht mehr im Spiegel ansehen”.

Sie ließ sich eine Perücke machen. Zuhause trug sie diese normalerweise nicht. Mit ihrem Sohn hat sie abgesprochen, dass er sie informieren soll, bevor ihn Freunde besuchen. Dann setzte sie rechtzeitig die Perücke auf. “Einen Vorteil hatte es ja, ich brauchte mir nicht die Beine rasieren”. Nach der Chemo wuchsen die Haare wieder, aber nicht wie vorher. Sie hatte bisher glattes Haar, danach kamen aber “Chemo-Locken”, komisch gekräuselt und die Haare machten was sie wollten.

Kurz ist sie zuhause, dann kommt die Reha. Beim Spazierengehen hat sie (Postbotin!) keine Kondition mehr.

MEDIKAMENTE:

Sie muss insgesamt 5 Jahre lang täglich Tabletten einnehmen, mit denen sie in die künstlichen Wechseljahre versetzt wird. Die Folgen sind Gewichtszunahme, Hitzewallungen die sich abwechseln mit Kältegefühl. Raus auf den Balkon, dann wieder rein – Hose aus, dann wieder Hose an. Sie wacht oft schweißgebadet auf. Durchschlafen ist nicht mehr möglich. “Ich bin ziemlich hart im Nehmen”.

SCHÖNHEITS-OP:

Die Schönheits-OP wurde bezahlt. Silikon hat sie sich nicht einsetzen lassen. “Ich hatte noch nie viel Brust”. Zu dieser Zeit hatte sie auch aus den Medien von einem Silikonskandal gehört. In Frankreich wurde minderwertiges Silikon verwendet, das sich zersetzt hat und bei einigen Frauen zum Tod geführt hat. (“Silikon, das kann ja auch Krebs verursachen”.)

Die gesunde Brust wurde an die kranke Brust angeglichen, eine künstliche Brustwarze wurde eingesetzt. Es wurde Warzenhofgewebe entnommen und die Warzenhöfe angepasst. Die gesunde Brust wurde bei dieser OP kleiner gemacht und angehoben.

Vor ihr stehen noch 4 Jahre künstliche Wechseljahre. Einmal am Abend eine Tablette. “Die ist nicht groß, aber die haut rein! Die hat Nebenwirkungen, das wollen Sie gar nicht wissen!”

Das T-Shirt konnte sie nicht kaufen. Es war ihr zu figurbetont. Ihr Dekolleté kann sie nicht mehr zeigen.

WEITERE ZITATE:

  • “Ich habe inzwischen eine andere Einstellung zum Leben. Es gibt Dinge, über die ich mich heute nicht mehr aufrege.”
  • “Das ist halt so, das habe ich jetzt halt noch vor mir.”
  • “Eine Schlupfwarze ist wohl ein sicheres Zeichen für Brustkrebs”

Anmerkung von H. Pilhar

Eine Schlupfwarze ist die aktive Phase eines Trennungskonflikts (rote Gruppe), der an der Brust assoziiert wurde (“Es wurde mir das Kind vom Busen gerissen”, “Es hat sich mir der Partner vom Busen gerissen”). In der aktiven Phase ulcerieren die Milchgänge ohne Schmerzen und ziehen sich zirrhös zusammen (Delle in der Brust). Liegen diese Ulcera vorne an der Brustwarze, kann sich diese einziehen (Schlupfwarze). In der Heilungsphase werden die Ulcera unter Schwellung wieder aufgefüllt und schmerzen (schuldm.: = intraductales Mamma-Ca).

Durch Einleiten des künstlichen Wechsels wird die weibliche Frau männlich und es ändert sich ihr Konflikt-Empfinden. Dadurch kann sie Konflikte lösen, umempfinden oder gänzlich neue Konflikte hinzubekommen, welche sie weiblich nicht empfinden konnte.

Vorsicht! Ändert sich die Hormonlage, ändert sich das Konfliktempfinden!

Arme Frau! Wievielen ergeht es gerade ähnlich?

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