REPUBLIK ÖSTERREICH
DER PRÄSIDENT DES NATIONALRATES

Familie
Ing. Helmut und Erika Pilhar
Maiersdorf 221
2724 Hohe Wand

Wien, 22. August 1996
Dr.hfi/wi

Sehr geehrte Frau Pilhar,
sehr geehrter Herr Ing. Pilhar!

Wenn ich Ihr Schreiben vom 8. August, dessen Erhalt ich gerne bestätige, richtig verstehe, sind Sie der Auffassung, daß es “die Schulmedizin” und “die Neue Medizin” gibt, wobei “die Neue Medizin” der “Schulmedizin” turmhoch überlegen ist und daß “jeder vernünftige Mensch”, der “beide Medizinen” kennt, selbstverständlich der “Neuen Medizin” den Vorzug geben würde.

Wer demnach der “Neuen Medizin” nicht den Vorzug gibt, ist entweder uninformiert oder hat eigensüchtige wirtschaftliche Interessen.

Sehr geehrtes Ehepaar Pilhar! Das aller- allerwichtigste ist wohl – unbestrittenermaßen – daß Ihr Kind gesund wird. Und ich kann persönlich gut verstehen, daß man sich in einer Situation, die Sie selbst als die “Hölle auf Erden” beschrieben haben, an jeden Strohhalm und an jede Hoffnung klammert.

Aber die Dinge sind nicht so wie sie von Ihnen gesehen werden. Ich habe als Wissenschaftsminister die medizinische Forschung und die medizinischen wissenschaftlichen Leistungen in Österreich jahrelang – wenn auch als Laie – beobachtet. Ich glaube, daß teilweise ausgezeichnete Arbeit geleistet wird. Selbstverständlich gibt es auch innerhalb der sogenannten Schulmedizin unterschiedliche Auffassungen und Lehrmeinungen. Und es gibt – wie in jeder Wissenschaft – Aussenseiter, von denen manche Pioniere sind, die eine richtige neue Spur verfolgen und manche leider auch Scharlatane.

Die Vorstellung, daß es auf der einen Seite das geschlossene Gebäude der Schulmedizin (falsch) und auf der anderen Seite das geschlossene Gebäude der Neuen Medizin (richtig) gibt, entspricht wirklich nicht den Tatsachen.

Ich muss Ihnen auch – so heikel dieses Thema auch ist – sagen: Wenn ich einen nahen Verwandten hätte, der an einer solchen Krankheit erkrankt, würde ich mich nach den besten Vertretern der Schulmedizin erkundigen und ihren Erfahrungen und Kenntnissen vertrauen. Ich möchte Ihnen in diesem Zusammenhang übrigens folgendes berichten: Als die Gattin des früheren Bundeskanzlers Dr. Sinowatz, der ein enger persönlicher Freund von mir ist, an Krebs erkrankte, ist ihm Univ.Prof.Dr. Jakesch als behandelnder Arzt empfohlen worden. Die Krebskrankheit hat sich leider bereits in einem Stadium befunden das unheilbar war und Frau Sinowatz ist im vorigen Jahr verstorben. Dennoch war Dr. Sinowatz von der sachkundigen und menschlichen Art dieses Arztes sehr beeindruckt und er ist die auf die Idee gekommen bei der sogenannten “Neuen Medizin” Hilfe zu suchen. Sie, sehr geehrtes Ehepaar Pilhar, mögen das vielleicht als Fehler empfinden und die Meinung vertreten, daß ein Vertreter der “Neuen Medizin” Frau Sinowatz hätte retten können. Ich führe dieses Beispiel aber nicht an, um Sie von der “Schulmedizin” zu überzeugen, sondern um Ihnen zu sagen, daß auch die höchsten Repräsentanten der Republik, selbst wenn es die eigenen Ehefrau geht, sehr wohl den gut ausgebildeten medizinischen Autoritäten dieses Landes vertrauen.

Wir können den Briefwechsel mit diesem Gedanken und Informationsaustausch abschließen.

Ich wäre aber auch bereit Univ.Prof.Dr. Jakesch, der meines Wissens mit der Causa Ihrer Tochter Olivia bisher nichts zu tun hatte, zu bitten Sie zu empfangen und ein Gespräch mit Ihnen über Ihre Probleme, Sorgen und Schmerzen zu führen, falls Sie dies wünschen oder falls Sie der Meinung sind, daß das in irgendeiner Weise für Sie von Nutzen sein kann.

Ich darf auch dieses Schreiben abschließen indem ich Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute wünsche und bleibe mit herzlichen Grüssen

Ihr
H. Fischer
(Unterschrift)

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