Drei Tage vor der Amtsübergabe

Klestil tritt ab und bricht zusammen

Mindestens 14 Tage wird Thomas Klestil im künstlichen Tiefschlaf bleiben müssen, teilten die behandelnden Ärzte nur wenige Stunden nach dem Herzstillstand mit. Bereits einmal, im September 1996, wurde er für ein Wochenende ins Koma versetzt. Damals wurde der Bundespräsident wegen einer atypischen Lungenentzündung im Wiener AKH behandelt.

Ein „Fehler in der Lungenfunktion“ hat den Sauerstoffmangel ausgelöst. Dadurch hörte das Herz zu schlagen auf, sagt Prof. Dr. Reinhard Kepler, ärztlicher Leiter der AKH Wien. „Selbst im günstigen Fall muß der Bundespräsident mindesten 14 Tage im künstlichen Tiefschlaf bleiben.“ Es herrscht Lebensgefahr.

Prof. Wolfgang Graninger, der Klestil schon seit Jahren behandelt, sieht hingegen keinerlei Zusammenhang zwischen der Lungenkrankheit und dem Herzstillstand: „Einen Herzstillstand kann man jederzeit erleiden.“ Seine Befürchtungen: Trotz der schnellen Reanimation – Klestil war in sein Hietzinger Privatvilla zusammengebrochen und von den Leibwächtern wiederbelebt worden – könnte eine Unterversorgung mit Sauerstoff eingetreten sein.

Bereits im Jung 2003 mußte Klestil erneut wegen einer leichten Lungenentzündung ins Spital, die er ohne Komplikationen überstand. Im November rutschte der Präsident im Bad der Amtsvilla aus und mußte an den Achillessehnen operiert werden. Vor vier Wochen wurde die Reise zum Begräbnis des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan abgesagt. Und vor zweit Wochen konnte Klestil aus gesundheitlichen Gründen den „Tag der offenen Tür“ nicht verwirklichen.

Zur Besorgnis gab auch das deutlich aufgedunsene Gesicht des Präsidenten Anlass, schwere Medikamente, unter anderem Kortison, haben dies verursacht.

Klestil wird in einer für ihn geöffneten Intensivstation des AKH rund um die Uhr von einem Spezialistenteam versorgt. Ein künstliches Koma soll Lunge und Kreislauf entlasten. Außerdem wurde die Körpertemperatur gleich abgesenkt. Klestil hat das Bewusstsein nach dem Herzstillstand nicht wiedererlangt.

Thomas Klestil war am 24. Mais 1992 mit 56,85% der Stimmen zum Bundespräsidenten in der Stichwahl  gegen Rudolf Streicher gewählt worden. 1998 wurde er wieder gewählt.

„All das was ich erreicht habe“, meinte Thomas Klestil einmal, „Das macht mir selbst viel weniger Freude, als daß ich immer sehr glücklich darüber gewesen bin, wenn ich es der Mama hab zeigen können, solange sie noch gelebt hat. Und später meinen Geschwistern.“

Thomas Klestil kam am 4. November 1932 als jüngstes von fünf Kindern im Wiener Bezirk Erdberg zur Welt. Er war der Nachzügler. Die siebenköpfige Familie lebte auf nicht einmal 50 Quadratmetern in Zimmer, Küche, Kabinett, Wasser und Klo am Gang. Der Vater, ein Straßenbahner, hatte früh sein Heimatdorf im böhmischen Teil des Waldviertels verlassen. „Klestil“ kann mit „Unterholz“ übersetzt werden. Die Mutter stammt aus einer Wiener Gärtnerfamilie, war fromm und ging täglich zur Messe.

Klestil konnte das Gymnasium besuchen, lernte als Jugendlicher seine erste Frau Edith kennen, studierte Wirtschaftswissenschaften und promovierte 1957. Dann trat er in den Staatsdienst ein, wo er Jahre später als Generalsekretär  im Außenministerium vom damaligen ÖVP-Chef Erhard Busek als Präsidentschaftskandidat vorgeschlagen wurde.

Anmerkung von H. Pilhar

Früher hat Dr. Hamer bei einem drohenden Herzinfarkt Kortison empfohlen, da Krisen nicht gedämpft, sondern mit sympathicotonen Substanzen verstärkt werden muss. Kortison wirkt aber nicht rein sympathicoton, wie beispielsweise Kaffee, sondern eher wie ein Konfliktrezidiv, was ja auch sympathicoton ist. Deshalb kam Dr. Hamer immer mehr vom Kortison ab.

Ob nun Klestil einen coronaren Herzinfarkt erlitten hatte, oder einen epileptischen Krampfanfall des Myokard, kann ich nicht beurteilen. Es ist anzunehmen, dass die unmittelbare Pensionierung für ihn eine Konfliktlösung war – wofür, kann ich nicht sagen.

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